Ein Hauch von Hollywood

Bild: Esther Gückel
Kunst und Kultur

Ob Teenie-Schwarm Daniel Brühl oder Sean Penns Ex Robin Wright – die Hansestadt ist noch bis Sonntag Schauplatz des neuen Blockbusters „Marionetten“, der Verfilmung von Le Carrés Weltbestseller „A Most Wanted Man“. Als Filmkulisse dient das Brahms-Kontor gegenüber der Laeiszhalle – das wie der Zufall will auch mein Arbeitsplatz ist.

Wenn Hollywood Einzug hält in unserem beschaulichen Städtchen, ist Stress und Hektik vorprogrammiert. Oder wie man in Künstlerkreisen zu sagen pflegt: „kreatives Chaos“. Ob Pilatuspool oder Holstenwall, es herrschen großräumige Absperrungen und zahlreiche LKWs zieren die sonst so beschaulichen Gassen. Schon in den Morgenstunden herrscht ein reges Gewusel von Technikern, die Lichtanlagen und etliches Equipment ins Haus tragen, und Sicherheitsleuten, die aufgeregt dem Knopf im Ohr lauschen, um dann hinter vorgehaltener Hand zu tuscheln: „Der Hauptdarsteller trifft gleich ein!“.

Seit einem Jahr im Brahms-Kontor und ersten Ermüdungserscheinungen dank des nahenden Winters stelle ich fest: eine Hollywoodverfilmung im Haus ist doch eine echte Abwechslung. Nicht nur das Ausmaß an Büro-Tratsch hat zugenommen, auch die Raucherpausen haben sich zusehend gehäuft – wenn sich Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman, Willem Dafoe oder auch Rachel McAdams die Klinke in die Hand geben, können sich eben auch Alteingesessene dem Hauch von Glamour nicht entziehen.

In Windeseile wurde das einst höchste Gebäude Hamburgs zu einem mit italienischen Designermöbeln ausgestatteten Geldinstitut umfunktioniert, schwere Kräne mit Scheinwerfern bestrahlen die Backsteinfassade und Schilder, wie „Unit Base“ oder „Set“, vermitteln den Eindruck, dass im nächsten Moment einer der Regieassistenten ruft: „Klappe Brahms-Kontor, die Erste!“. Das seit Dienstag andauernde Spektakel hat inzwischen auch die ersten Schaulustigen und Autogrammjäger angezogen, die geduldig mit Autogrammbüchlein und Stiften ausgestattet vor dem Gebäude ausharren – die Schauspieler haben sich allerdings bisher sehr rar gemacht. Doch wer weiß – bereits eines der Crewmitglieder hatte sich gewundert, warum er von einem älteren Herrn so lange in ein Gespräch verwickelt wurde – er hatte den Hauptdarsteller schlichtweg nicht erkannt.

Das Highlight des von Anton Corbijn inszenierten millionenschweren Szenarios wird der für das Wochenende geplante Dreh des Showdowns. Wenn ich Montag zur Arbeit gehen werde, alles seinen gewohnten Gang nimmt und das Brahms-Kontor wieder nur ein Bürogebäude wie jedes andere sein wird, wird mir der ganze Trubel wohl fehlen – doch dann sag ich mir einfach „Machs gut Hollywood – wir sehen uns nächstes Jahr bei der Kinopremiere!“

Über

Die gebürtige Kölnerin und bekennende Globetrotterin hat die letzten fünf Jahre in Hamburg verbracht, bevor sie im Herbst 2014 die Stelle der Online-Redakteurin an der Hochschule Harz angetreten ist. Ihrer Wahlheimat bleibt sie allerdings treu und schreibt weiterhin für verschiedene Online-Portale rund um die Hansestadt.

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