Hamburg droht Verlierer der Pleite von Air Berlin zu werden

Bild: Air Berlin Maschine im Landeanflug auf Hamburg, Foto: Andreas Grieß
auchbeimopo, Debatte

Vor etwa einem halben Jahr stellte Air Berlin den Flugbetrieb ein. Nach der Pleite wurden weite Teile der Fluggesellschaft unter bisherigen Konkurrenten aufgeteilt. Lufthansa, bzw. deren Tochter Eurowings ist einer der größten Profiteure. Die britische Easyjet sowie Ryanair als Teilhaber der neu aufgestellten, ehemaligen Air-Berlin-Tochter Niki wollen dem Platzhirsch Paroli bieten. Allerdings: Hamburg profitiert davon bislang kaum. Hier herrscht zunehmend Lufthansa-Monokultur. Für Hamburger bedeutet das: weniger Auswahl und höhere Preise. Drohen die Hamburger zum großen Verlierer der Air-Berlin-Pleite zu werden?

In seiner Hochzeit flog Air Berlin von Hamburg aus gut dreißig verschiedene Ziele an. Flugreisende profitierten darüber hinaus vom weiteren Streckennetz der Fluggesellschaft und ihrer Partner. Insbesondere via Düsseldorf gab es Verbindungen in die USA und nach Asien. Im Rahmen seines Sparprogramms kürzte Air Berlin sein Streckennetz aber immer weiter zusammen. Zuletzt blieben im Sommerflugplan 2017 von Hamburg aus nur noch innerdeutsche Verbindungen nach Düsseldorf, München und Stuttgart übrig. Ein Jahr später, im aktuellen Sommerflugplan 2018, hat Eurowings für die Verbindungen nach Düsseldorf und Stuttgart ein Monopol. Nach München flog zuletzt nur noch die Lufthansa, seit dem Sommerflugplan fliegt zusätzlich auch Eurowings bis zu viermal täglich in die bayerische Hauptstadt. Inwiefern man hier jedoch von Konkurrenz sprechen kann, bleibt fraglich, wo Eurowings doch Lufthansa-Tochter ist.

Besser sieht die Situation für Hamburger bei den Urlaubsorten aus, die Niki im Programm hatte. Niki flog vor einem Jahr noch zu den griechischen Zielen Heraklion und Kos, nach Faro in Portugal und zu den spanischen Flughäfen von Fuerteventura, Ibiza, Malaga, Mallorca und Teneriffa. Kos wird laut aktuellem Flugplan von drei Airlines von Hamburg aus angeflogen: Condor, Eurowings und TUIfly. Nach Heraklion auf Kreta fliegen die drei ebenfalls, zudem neuerdings auch Small Planet Airlines. Nach Faro fliegen im Sommer nur Eurowings und Ryanair direkt. Malaga teilen Ryanair und Norwegian untereinander auf. Fuerteventura bedienen Condor, TUIfly und neuerdings Olympus Airways. Nach Mallorca wollen Eurowings, Ryanair, verstärkt nun auch Condor sowie neuerdings Small Planet Airlines die Urlauber bringen. Um die Fluggäste mit Ziel Teneriffa wetteifern mit Condor, Norwegian, Olympus Airways, Small Planet Airlines und TUIfly sogar fünf Fluggesellschaften. Einzig bei Flügen nach Ibiza gibt es nur einen Anbieter. Hierhin fliegt im Sommerflugplan 2018 ab Hamburg nur Eurowings.

Lufthansa und Eurowings machen bald die Hälfte des Flugbetriebs in Hamburg aus

Genaue Marktanteile der einzelnen Airlines am Flughafen Hamburg will der Airport nicht mitteilen, er erlaubt aber einen groben Einblick. So machten die zehn größten Fluggesellschaften am Airport Hamburg 2017 etwa drei Viertel des Marktes unter sich aus. Darunter waren auch Air Berlin und Niki als fünft- bzw. sechstgrößter Anbieter. 2018 wird erwartet, dass der Anteil der übrigen acht Fluggesellschaften insgesamt weiterhin fast Dreiviertel ausmacht.

Neue, bedeutende Player stoßen also vorerst wohl nicht in den Hamburger Markt. Wachstum erwartet der Airport vor allem bei Eurowings und Lufthansa, den beiden bedeutendsten Airlines in Hamburg. Kamen beide zusammen 2017 noch auf einen Anteil von rund einem Drittel, werden es 2018 wohl etwas weniger als die Hälfte sein. Auch Ryanair und Condor gewinnen Marktanteile hinzu, ebenso Emirates.

Wenig Veränderung erwartet der Airport hingegen bei Easyjet. Die britische Fluglinie will seine Marktanteile in Deutschland deutlich ausbauen und die Lufthansa herausfordern. Vor allem in Berlin investiert die Airline kräftig und will dort die Lücke, die Air Berlin hinterlassen hat, füllen. Hamburg lässt Easyjet aber weitestgehend links liegen, zieht sich sogar zurück. Die Firma begründet, sie habe zu oft ihre Flugzeuge nicht voll bekommen und sei zudem nicht über den Rang als viertgrößte Gesellschaft in Hamburg hinaus gekommen. Künftig wolle sich das Unternehmen auf Standorte konzentrieren, wo es eine führende Rolle einnehme.

Easyjet setzt nicht auf Hamburg

Vor noch nicht allzu langer Zeit hatten die Briten in Fuhlsbüttel drei Maschinen fest stationiert. Fast 30 Ziele hatte Easyjet im Programm. Zuletzt nahm die Firma die Verbindungen nach Mallorca und Fuerteventura, nach Lanzarote (künftig nur noch Condor), Salzburg (nur noch Eurowings), Zürich (Eurowings und Swiss), sowie die Ziele Krakau und London Luton, die künftig von niemanden mehr aus Hamburg bedient werden, aus dem Programm. Nur noch neun Easyjet-Verbindungen ab Hamburg sind im aktuellen Flugplan übrig geblieben. Neben London-Gatwick steuert Easyjet Basel, Bordeaux und Genf exklusiv an. Hinzu kommen Flüge nach Edinburgh, Manchester, Neapel, Nizza und Venedig, wo Easyjet mit Eurowings und/oder Ryanair konkurriert.

Das Ende von Air Berlin böte Easyjet nun eine Gelegenheit, doch noch ein großer Player in Hamburg zu werden. Doch vorerst sendet Easyjet eher gegenteilige Signale aus. Anfragen, welche Strategie die Briten für Hamburg haben und ob sie sich in Zukunft wieder ein größeres Engagement vorstellen können, lässt das Unternehmen unbeantwortet. Dadurch, dass Easyjet Hamburg aktuell keinen großen Raum in seinen Planungen einräumt, wird die Lücke, die Air Berlin hinterlassen hat, hier anders als in Berlin oder Düsseldorf wohl noch länger Bestand haben. Den Lufthansa-Konzern wird der Mangel an Konkurrenz in Hamburg freuen. Beim Airport selbst und den Passagieren wird die Situation jedoch auf weniger Gegenliebe stoßen.

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Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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