Hamburg denkt weiter groß

Bild: Andreas Grieß
Wochenrückblicke

Hat hier jemand eine Großveranstaltung bestellt? Der G20-Gipfel ist seit einer Woche Geschichte. Unsere Stadt und unser Land beschäftigt er aber weiter. Erneut ist Hamburg die Titelgeschichte im Spiegel. In Politik-Talkshows wurde über die Randale und die Polizeieinsätze gesprochen und nicht selten auch gestritten. Am Mittwoch hat Bürgermeister Olaf Scholz in der Bürgerschaft seine Regierungserklärung zum Thema abgegeben. Darin hat er die Hamburger um Entschuldigung für die Ausschreitungen gebeten. Gleichsam verteidigte er die Entscheidung, den Gipfel in Hamburg stattfinden zu lassen, dankte der Polizei für ihren Einsatz und kündigte entschlossenes Vorgehen gegen Extremisten an.

Die CDU fordert derweil den Rücktritt des Bürgermeisters. Den schließt dieser aus und bekommt dabei Rückendeckung von seinen Parteifreund und Außenminister Sigmar Gabriel. Gabriel sagt, Angela Merkel trage genauso viel Verantwortung dafür, dass der G20-Gipfel in Hamburg stattgefunden habe, wie Olaf Scholz. Sie jedoch bleibe von der Kritik verschont und sonne sich in den positiven Bildern de Veranstaltung. Ja, es ist auch Wahlkampf in Deutschland – zu einer besseren Aufarbeitung trägt das sicher nicht bei.

Und nach der Großveranstaltung ist in Hamburg bekanntlich auch schon wieder vor der Großveranstaltung. Kaum sind die Staatsgäste weitergezogen, gab es an diesem Wochenende schon wieder zahlreiche Straßensperren. Zwei Events waren der Grund dafür: Zum einen der Schlagermove, zum anderen der Triathlon. Gerade beim Schlagermove scheiden sich ja die Geister. Während einige ihn als Hamburger Version des Karnevals lieben, ist er vielen Anwohnern ein Graus. Sie berichten von Betrunkenen, die an Hauswände pinkeln.

Nach dem G20-Gipfel scheinen beide Positionen noch einmal verhärtet zu sein. Schlagersänger Christian Anders sagt gegenüber dem NDR, die Veranstaltung helfe, die Wunden von G20 zu heilen: „Hamburg hat genügend negative Probleme gehabt, da ist der Schlagermove ganz gut.“ Und weiter: „Denn die Liebe muss regieren, nicht die Gewalt.“ Auch die Polizei wurde von vielen Besuchern der Veranstaltung gefeiert und zum Beispiel mit Applaus bedacht. Dem gegenüber stehen viele Anwohner von St. Pauli, die einfach mal Ruhe wollen. Spiegel Online berichtet über Anwohner, die forderten, die Veranstaltung abzusagen oder zu verlegen. Sie verschaffen sich in Internet und zum Teil mit Aushängen in ihrer Nachbarschaft Luft.

Der Triathlon ist da etwas weniger umstritten. Rund 5.000 Jedermann-Athletinnen und Athleten traten am Samstag allein in der Sprint-Distanz an. Bei der Elite gewannen hier mit Flora Duffy aus Bermuda und Mario Mola aus Spanien die Favoriten. Überschattet wurden die Eliterennen der Frauen und Männer jeweils von einem Sturz. Am Sonntag war die Mixed-Team-WM erneut das Highlight des Triathlon-Wochenendes. Hier holte Australien den Titel vor den USA und den Niederlanden. Deutschland wurde mit einem jungen Team – unter anderem mit dem erst 17-jährigen Moritz Horn – Zehnter.

Kommen wir zum Abschluss noch zu einem Thema, das zwar auch ein Großprojekt ist, aber immerhin keine Großveranstaltung: der Bau der U5. Während bisher vorgesehen war, von Bramfeld über Steilshoop irgendwo in den Bereich des Hartzloh in Barmbek zu fahren und von dort aus über die S-Bahn-Station Rübenkamp weiter zur Sengelmannstraße und damit zur U1, gibt es nun alternative Überlegungen zum Abschnitt in Barmbek. Offenbar würden weniger Personen als bisher gedacht von der U5 in die S1 umsteigen, zumal der Umstieg über mehrere Ebenen erfolgen müsste. Zugleich ist noch kein finaler Standort für die Haltestelle in Barmbek-Nord gefunden.

Die Hochbahn überlegt daher nun, von Steilshoop ohne einen Bogen mit nur einem Zwischenhalt, zum Beispiel irgendwo im Bereich der Nordheimstraße, zur Sengelmannstraße zu fahren. Barmbek, zumindest der südliche Part von Barmbek-Nord, würde damit etwas schlechter erschlossen und der Umstieg zur S-Bahn würden entfallen. Dem gegenüber stünden kürzere Fahrzeiten und geringere Baukosten. Die Hochbahn wird die alternative Route nun genauer betrachten, bis zum Jahresende soll eine Entscheidung fallen.

Schon deutlich eher startet die neue Woche. Wir wünschen euch für diese einen wunderbaren Start.

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Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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