Wie der Spiegel Hamburg zur Hauptstadt erklärt

Bild: Anna-Lena Ehlers
Debatte

Mit einer vierseitigen Titelgeschichte widmet sich der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe unserer Stadt. Den Titel ergänzen ein dreiseitiger Vorbericht zu möglichen Ausschreitungen während des G20-Gipfels, eine vierseitige Reportage über das Schanzenviertel und ein Interview mit dem ehemaligen Generalmusikdirektor Ingo Metzmacher.

Das aktuelle Spiegel-Cover

Autor Alexander Smoltczyk beschreibt Hamburg in seiner Titelgeschichte als eine Stadt, die ihre Identität neu zu finden versucht. Er steigt mit den veränderten Machtverhältnissen in der Handelskammer ein, die er „vielleicht erste geglückte Revolution der Stadtgeschichte“ nennt. Der Umbruch hier stehe beispielhaft für eine sich verändernde Stadt, die sich selbst suche zwischen Wirtschaftsmetropole und Kulturstadt. Eine Stadt, die seit jeher vom Hafen lebte, der nun aber dank neuer Geschäftsfelder im Internet nicht mehr so viel Bedeutung habe, wie früher.

Und immer wieder: Die Elbphilharmonie. Sie soll Hamburg zur Kulturstadt machen und nicht nur für eine neue Außenwirkung, sondern auch für eine neue Selbstwahrnehmung sorgen. Hamburg habe, bei aller zur Schau gestellter Zurückhaltung „eine stille Sehnsucht, ganz groß rauszukommen“, wird Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses zitiert. Dass die Elbphilharmonie dabei helfe, stellen er und andere dem Spiegel-Artikel zufolge jedoch in Zweifel. Hamburgs Kultur sei schon immer dezentral gewesen und eher aus der Szene kommend. Nicht wenige Stimmen sagen daher auch: Hamburg brauche kein Prestige-Gebäude, um beachtet zu werden. Und außerdem: Von Kultur allein könne die Stadt nicht leben. Für Hamburg stehe viel auf dem Spiel.

Das gelte auch im Hinblick auf den G20-Gipfel im Juli, ist aus dem Artikel zu eben jenem zu entnehmen. Verlaufe das Treffen nach Plan, würden die Bilder der Staatschefs in Hamburg um die Welt gehen. Versinke die Stadt im Chaos würde Hamburg wohlmöglich weltweit mit Bildern von Ausschreitungen verbunden werden und die Stadt einen großen Imageschaden davontragen.

Wer in Hamburg lebt oder sich mit der Stadt beschäftigt, wird aus den Artikeln nicht viel Neues ziehen können. Für alle anderen ist das aktuelle Fokusthema ein grober Überblick über den Status Quo der Stadt, ohne dabei in die Tiefe zu gehen. Aber deutlich wird: Vor dem G20-Gipfel kommt Hamburg eine erhöhte Aufmerksamkeit zutage.

„Hamburg ist auch die größte Stadt Europas, die niemals Hauptstadt gewesen ist“, zitiert der Spiegel Kultursenator Carsten Brosda in der Titelgeschichte. Zumindest der Spiegel ernennt Hamburg und damit seinen Redaktionssitz nun etwas schmeichelhaft zu eben jener. Als Grund für das „Comeback einer Metropole“ nennt das Magazin dann nämlich im Wesentlichen doch nur den Gipfel und die Elphi.

  • Anzeige


Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

Schreibe einen Kommentar


Captcha: Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.