Sollen Geschäfte in Hamburg sonntags geöffnet haben?

Bild: Andreas Grieß
Debatte

Wie häufig in Wahljahren, wird auch aktuell das Thema Ladenöffnungszeiten diskutiert. Vereinfach gesagt stehen sich zwei Pole gegenüber. Die einen sagen: Lasst die Geschäfte öffnen, wann und wie lange sie wollen. Die anderen wollen den Sonntag als Ruhetag schützen und mit geschlossenen Geschäften erreichen, dass weniger Menschen sonntags arbeiten müssen.

2015 hat das Bundesverwaltungsgericht angesichts des geltenden Rechts strengere Auflagen für verkaufsoffene Sonntage gefordert. Öffnungen sollen nur in Rahmen von unabhängigen Veranstaltungen möglich sein, die zudem erwartbar mehr Teilnehmer anlocken, als die Geschäftsöffnungen selbst. Deshalb werden die verkaufsoffenen Sonntage auch in Hamburg ab kommenden Jahr an stärkere Auflagen geknüpft. SPD, CDU und Grüne haben sich auf einen Entwurf geeinigt, über den am 26. Juni in der Bürgerschaft abgestimmt werden soll, schreibt das Abendblatt. Dem folgend soll es auch ab 2018 weiter vier verkaufsoffene Sonntage in Hamburg geben. Die werden jedoch stets unter ein Motto gestellt. Vorgesehen sind Inklusion und Integration, Kultur, Sport und Gesundheit und als viertes Kinder, Jugend und Familie. So sollen Einrichtungen wie Kitas oder Vereine eine Gelegenheit bekommen, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren.

Aktuell gibt es lose Themen zu denen die vier verkaufsoffenen Sonntage in Hamburg stattfinden. Beim letzten, den am 2. April, war das Thema Frühlingsbeginn. Der nächste verkaufsoffene Sonntag in Hamburg ist übrigens am 1. Oktober. Am 5. November wird es einen weiteren geben. Der erste im Jahr 2017 fand bereits am 29. Januar statt. Einen verkaufsoffenen Sonntag im Advent, wie in manchen anderen Städten, gibt es damit nicht.

Die FDP kritisiert den von SPD, CDU und Grünen entworfenen Plan und fordert mehr Flexibilität. Sie nennt die Regelung nicht zeitgemäß und fordert, dass die Bezirke selbstständig die Termine festlegen können. Damit ist sie eher auf Seite vieler Handelsverbände. Viele Einzelhändler fordern nämlich – wie eingangs erwähnt insbesondere in Wahljahren – mehr verkaufsoffene Tage oder gar eine komplette Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Sie argumentieren, dass sie gegen den Online-Handel sonst benachteiligt wären. Manche Kunden fragen, warum Verkäufer in Geschäften ein größeres Anrecht auf einen freien Sonntag haben sollen, als viele andere Berufsstände, die am Wochenende arbeiten: Polizisten, Ärzte, Busfahrer, Journalisten. Zudem sind in vielen anderen Ländern die Geschäftszeiten weniger streng reglementiert, als in Deutschland.

Auch wenn in Hamburg für die nähere Zukunft erst einmal neue Fakten geschaffen werden: Die Diskussion wird wohl weiter gehen.

  • Anzeige


Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten.
Twitter: @youdazandreasgriess.de
Redaktionsleiter von Elbmelancholie

Schreibe einen Kommentar


Captcha: Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.