„Can’t Believe I Still Have To Protest That Shit“: Demonstrationen am Weltfrauentag

Bild: (c) JOTO
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    „Girl just wanna have FUNdamental rights“, war dieser Tage auf einem T-Shirt zu lesen, das die gute alte Cindy Lauper auf einem im Netz verbreiteten Foto trug. Ja, fundamentale Rechte, wie das Recht auf Selbstbestimmung, ökonomische Gleichberechtigung und körperliche Unversehrtheit, nicht mehr, nicht weniger. Und wenn dann so einer wie Trump plötzlich der mächtigste Mann der Welt ist und alles, was in den letzten Jahrzehnten mühsam und mutig erkämpft wurde, ins Wanken bringt, dann wird es halt mal wieder Zeit, auf die Straße zu gehen. Willkommener Anlass: der Weltfrauentag. Insgesamt vier Demos starten Mittwoch zeitversetzt in Hamburg; die ganze Stadt soll sehen und hören, dass Hamburgs Frauen es sich nicht gefallen lassen, wenn man ihre Rechte untergräbt.

    „Can’t believe I still have to protest this shit“ ist auf einem der abwechslungsreich gestalteten Plakate am Bahnhof Altona zu lesen. Noch und wieder, Trump und seinen Geistesverwandten, die sich derzeit überall aus ihren ewiggestrigen Löchern erheben, sei Dank. Trotz Schietwetter hat sich um mich herum eine beachtliche Menge Demonstrant*innen eingefunden, die der Kundgebung der Linksjugend solid und Sympathisantinnen mit Interesse folgt.

    „Pussy Grabs Back“ lautet hier das Motto in Anspielung auf ein sexistisches Zitat von Donald Trump, und auch die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der sexuellen Belästigung (natürlich alles nur Verschwörung…) klingen hier mit. Zähne zeigen gegen den Grabscher im Weißen Haus. Doch es geht nicht nur um den Präsidenten, um seine Vergangenheit, seine verstörende Gegenwart und das, was da wohl noch in Zukunft kommen wird. In teils sehr persönlichen Vorträgen wird Sexismus in seiner destruktiven Vielfalt thematisiert; am Arbeitsplatz, im internationalen Vergleich, in seiner ideologischen Verschränkung mit Rassismus. Auch über körperliche Gewalt gegen Frauen gibt es ein aufwühlendes Statement einer betroffenen Aktivistin.

    Wer will, kann danach am Infostand noch schnell ein Schild mit einem selbstgewählten Slogan beschriften – dann wird losmarschiert, mit Polizeieskorte von Altona in Richtung Feldstraße. Leider nicht über die ganze Reeperbahn, wo sich bekanntlich auch viel Volk tummelt, das mit Feminismus jetzt vielleicht nicht ganz so viel anfangen kann. „However I dress, wherever I go – yes means yes, no means no“ hätte ich gerade hier, gerade mit Blick auf die berüchtigte Silvesternacht, schon gerne mal über die ganze Straße schallen hören. Aber auch so sorgt man auf St. Pauli für Aufsehen, und schließlich ziehen mit dem „Internationalen Weltfrauentag“ und dem „Frauen*kampftag“ auch noch zwei weitere Demos über die Reeperbahn.

    Nass und durchgefroren, aber zufrieden mit dem friedlichen Verlauf und der beachtlichen Anzahl von 350 Teilnehmer*innen erreicht die „Pussy Grabs Back“-Gruppe gegen 18 Uhr das Centro Sociale, wo man sich bei Kaffee, Bier und Suppe erst mal aufwärmt und neue Pläne schmiedet. Mit Spannung erwartet wird die zweite Demo, die um 17.30 Uhr am Rathaus gestartet ist und die mit einer großen Kundgebung ebenfalls an der Feldstraße endet.

    Schon von Weitem hört man die 600 Teilnehmer*innen herannahen, man trifft sich mitten auf der Straße vor der U-Bahn Feldstraße, die Musik ist laut, die Stimmung großartig. Gerade hier fällt das breite Spektrum der Teilnehmer*innen auf: Nicht nur die organisiert Engagierten sind an diesem Weltfrauentag präsent – Frauen aller Berufs- und Altersklassen zeigen heute Flagge, viele auch mit rosa „Pussy Hat“, dem Symbol des neuen, feministischen Protests der Ära Trump. Zwischen den Demonstrantinnen zeigen sich übrigens auch viele Männer solidarisch.

    Den Kundgebungen folgt eine gemeinsame Party im Centro Sociale, und spätestens hier drängt sich ein Gedanke auf: Wenn die Präsidentschaft eines Donald Trump ein Gutes hat, dann, dass frau/man wieder auf die Straße geht, Präsenz zeigt, sich austauscht und größere Netzwerke bildet – und zwar eben nicht nur im Netz. Die Barrikaden des neuen antisexistischen und antifaschistischen Widerstands werden jetzt und hier gebaut, G20 kann kommen.

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