Olympia_Plakate_abgehangt

Die Nacholympische Woche

Bild: Andreas Grieß
Wochenrückblicke

    Die Woche endet mit dem zweiten Advent. Und gleichzeitig mit dem Nikolaustag. Na, was lag bei euch im Stiefel? So viel ist klar, Olympia war es nicht: In der Woche nach dem Aus für die Hamburger Olympia-Bewerbung (hier die Ergebnisse nach Abstimmungsbezirken) gab es weiter erst einmal fast nur ein Thema: Olympia und was stattdessen nun kommen soll. Stellenweise wurde die Diskussion von beiden Seiten etwas schmutzig. Dass es dabei in vielen Fällen zu Beleidigungen oder sogar Drohungen kam, wirft einen Schatten auf die eigentlich so positive Sache einer demokratischen Abstimmung.

    Die Meisten blieben in ihrem Verhalten zum Glück vernünftig. Unterschätzt hatten viele dennoch, dass die Ablehnung der Bewerbung für viele Befürworter nicht nur eine politische Niederlage ist, sondern eine sehr emotionale Sache. Tränen ob einer verlorenen Abstimmung sind zumindest nicht bei jedem Thema üblich. Und dass viele Sportler aus ganz Deutschland sich enttäuscht zeigen, viele von ihnen zudem Zukunfstängste im Hinblick auf alle Sportarten außer dem Fußball äußerten, ebenfalls.

    Ein Blick auf Hamburg zeigt, dass viele Vereine tatsächlich dringend mehr Aufmerksamkeit benötigen. Olympia wäre für sie ein Baustein gewesen, nun suchen sie nach anderen Wegen. Und auch diejenigen, die aufgrund der Städtebau-Maßnahmen, der Inklusion oder der Wirtschaftsförderung für das Großprojekt waren, versuchen, ihre Anliegen neu oder weiter zu positionieren. Ein neuer Vorschlag, was mit den geplanten 1,2 Milliarden Euro, die ab 2018 eingeplant waren, zu machen sei, machte übrigens auch der Bund der Steuerzahler: Nichts. Das Geld solle vollständig in die Schuldentilgung fließen – nicht in Schulen, Sport, Inklusion oder Wohnungsbau. “Es muss unbedingt verhindert werden, dass die „freigewordenen Mittel“ nun einfach in anderen Projekten versickern”, heißt es in der Pressemitteilung. Ob diese Position mehrheitsfähig wird?

    Nicht mehr mehrheitsfähig im DOSB ist jedenfalls der Empfang der deutschen Olympia-Teilnehmer von Rio nach den Spielen. Dieser wird 2016 nicht in Hamburg stattfinden, wie zuletzt nach London, sondern wohl in Frankfurt. Auch die geplante DOSB-Mitgliederversammlung soll an einem anderen Ort als Hamburg ausgetragen werden. Das Abendblatt schreibt: “Aus DOSB-Kreisen heißt es, die Lust auf die Stadt sei bei Funktionären und Verbänden nicht gerade ausgeprägt.”

    In einem viel beachteten Kommentar zum Referendum schrieb ich, dass vor allem die Kritiker nun auch Konzepte vorlegen sollten. Einige tun dies oder taten dies freilich bereits. Doch eine nicht geringe Zahl äußerte zu dieser Forderung auch Unverständnis und verlangte, dass “die Politik” dies mache. Ob die Entfremdung zwischen den aktiven Politikern und den Wählern damit zu reduzieren ist? Damit soll es das aber auch zu Olympia gewesen sein für die zurückliegende Woche.

    Denn auch so war allerhand los: Am Mittwoch musste in Hamburg einmal mehr eine Bombe entschärft werden. 250 Kilogramm wog das Exemplar aus dem Zweiten Weltkrieg. Gefunden wurde es in Allermöhe. Der Verkehr im Umfeld wurde zwischenzeitlich umgeleitet. Noch größere Einwirkung auf den Verkehr hatte am gleichen Tag ein LKW-Brand im Elbtunnel. Alle Röhren wurden aus Sicherheitsgründen gesperrt. Es entstand ein etwa 50 Kilometer langer Stau.

    So lang waren die Schlangen bei den Fahrgeschäften des Winterdoms freilich nicht, wenn dann schon eher die an den Glühweinständen. Am Sonntag endete die diesjährige Wintersause. Glühwein gibt es aber weiterhin an den zahlreichen Weihnachtsmärkten der Stadt.

    Zu einem Polizei-Großeinsatz kam es am Freitag in Hoheluft. Dort wurde mit Hilfe des MEK “Mongols”-Chef Erkan verhaftet. Laut der Mopo wurden beim Einsatz drei Blendgranaten eingesetzt und von außen die Scheiben zur Wohnung eingeschlagen. In der Wohnung sei eine scharfe Waffe gefunden worden. Die Wohnung des Rocker-Bosses war zuletzt bereits mehrfach Schauplatz von Großeinsätzen. Vor einiger Zeit explodierte am Sportwagen von Erkan ein Sprengsatz. Zuvor gab es bereits einen Polizeieinsatz mit Hubschrauber.

    Hoffen wir, dass die kommende Woche für alle Hamburger friedfertiger wird.

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    Über

    Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

    3 Kommentare

    1. Pingback: NOlympia-Presseschau für Dezember 2015 » Nolympia

    2. Hallo Andreas,

      wenn man sich die Abstimmungsergebnisse genau anguckt, dann fällt auf, dass besonders in den armen & von Olympia betroffenen innenstadtnahmen Stadtteilen die Ablehnung gegen die Olympiapläne groß war. (Ausnahme bildet die wohlhabende Hafencity). Diese Gegenüberstellung zwischen Einkommensverhältnissen und Abstimmungsergebnissen finde ich interessant:
      https://twitter.com/teuer_und_panne/status/672359916364038144

      Fazit: Der Senat konnte mit seinem Hochglanz-Konzept einer zweiten Hafencity Kleiner Grasbrook nicht überzeugen. Abgewählt wurde eine Vision von Stadt, die auf Großprojekte und Eventisierung setzt. Nun wäre es interessant, die Bewohner/innen zu befragen, wie sie sich ihr Hamburg vorstellen und was ihre Visionen von Hamburg 2024 sind. Eigentlich ein schönes Betätigungsfeld für engagierten Journalismus…

      Herzlich grüßt…
      Paula

      • Auffällig ist auch, dass in diesen Bereichen mitunter die Wahlbeteiligung auch unterdurchschnittlich war. Das Wiederum ist fast grotesk: Diejenigen, die vermeintlich am meisten betroffen waren (vermeintlich weil die räumliche Nähe ja nur ein Teil der Betroffenheit ist), scheinen geringeres Interesse zu haben. Hinzu kommt, dass Ausländer nicht wahlberechtigt waren, Stadtteile mit hohem Ausländeranteil wenn man so will also „unterrepräsentiert“ sind im Ergebnis.
        Das sind aber nur einige der Deutungsebenen, die sich eröffnen.

        Die Bürger danach zu befragen, ist in Teilen sicher interessant. Durch meinen Kommentar habe ich ja auch in Teilen eine Diskussion dazu angestoßen (die jedoch leider auch in Beleidigungen und Drohungen ausartete). Grundsätzlich wollen wir aber versuchen, weiter am Ball zu bleiben, was aus Olympischen- und nolypischen Konzepten/Vorschlägen nun wird. Umso besser wir auf der Ressourcen-Seite aufgestellt sind, umso intensiver werden wir uns auch darum kümmen können.

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