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Fünf ständig wiederholte falsche Informationen zur Olympia-Bewerbung

Bild: Andreas Grieß
Olympia in Hamburg

    Ende der Woche endet das Olympia-Referendum in Hamburg. Laut der letzten Forsa-Umfrage, die noch vor den Anschlägen von Paris erhoben wurde, sind nur noch 56 Prozent der Hamburger für die Bewerbung, 39 Prozent dagegen. Es ist also ein knappes Ergebnis zu erwarten. Dementsprechend versuchen beide Seiten, aber auch mehr oder weniger neutrale Medien, auf der Zielgerade noch einmal die Wahlberechtigten mit Vor- und/oder Nachteilen einer Bewerbung vertraut zu machen. Dumm nur: Einige Argumente sind schlichtweg sachlich falsch oder zumindest unvollständig. Ihre ständige Wiederholung macht sie nicht korrekter. Nachfolgend fünf ständig wiederholte, falsche Informationen zur Olympia-Bewerbung.

    1. Die Sportstätten für Hamburg 2024 stehen bereits fest

    Die Planung der Sportstätten ist – abgesehen davon, dass erst kürzlich etwa über eine Verlegung des Bogenschießens aus dem Stadtpark diskutiert wurde – auf Stand Rio 2016. Enthalten sind also die in Rio erstmals durchgeführten Sportarten Rugby und Golf. Ob die bis 2024 olympisch bleiben, ist nicht sicher. Das gilt auch noch für ein paar andere „Wackelkandidaten“. Gut möglich ist aber vor allem, dass andere Sportarten bis 2024 vom IOC noch olympisch gemacht werden. Neben einigen Kampfsportarten ist etwa Rollsport ein Kandidat. Auch eine Rückkehr von Baseball ist denkbar. Squash und Klettern könnten dazu kommen. Die wohl größte Herausforderung jedoch wäre: Surfen. Für all diese möglichen Sportarten gibt es bislang kein präsentiertes und diskutiertes Konzept.

    2. Die Kostenplanung wird immer überschritten (oder auch: Die Elbphilharmonie hat gezeigt, dass es immer teurer wird)

    Zunächst ein Satz zu Kausalität: Selbst wenn bisher alle Spiele teurer geworden wären (wie eine britische Untersuchung betont) als geplant, ist es wahrscheinlich, dass die nächsten es auch werden, aber nicht zwingend. Richtig ist: Wie viel Olympia in Hamburg tatsächlich kosten würde, kann jetzt nicht gesagt werden. Man kann es nur nach besten Wissen und Gewissen kalkulieren. Das ist in Hamburg passiert. Verwendet wurden dabei hohe Kostenparameter und Inflationsraten, die weit über dem liegen, was derzeit tatsächlich der Fall ist. Ob die Parameter ausreichen, um in dem gesteckten Kostenrahmen zu bleiben, ihn nur leicht zu überschreiten oder ihn gar zu unterschreiten, kann man deshalb wie gesagt noch nicht sagen. Wohl aber muss man erwähnen: Es ist deutlich wahrscheinlicher, dass die Kosten zutreffend kalkuliert wurden, als es im Fall der Elbphilharmonie oder vieler vergangener Spiele der Fall war. Kurzum: Wer vergangene Kostensteigerungen auf mögliche, zukünftige projiziert, sollte zumindest die jeweilige Methodik betrachten und erwähnen. Wer das nicht tut – und das machen auch viele Medien – ermutigt künftige Planer im Grunde nur zum Elbphilharmonie-Fehler: Lieber utopisch zu niedrige Werte anzugeben, um sich Zustimmung zu sichern.

    3. Hamburg hat eh keine Chance, weil sich Deutschland auch um die Fußball-EM bewirbt

    Ja, Deutschland, oder genauer der DFB, möchte 2024 gerne die Fußball-EM ausrichten. Dazu gibt es übrigens keine Volksabstimmung. Dass eine mögliche Fußball-EM die Olympia-Chancen schmälert ist aber falsch. Richtig ist es genau andersherum. Der Grund: Die Sommerspiele 2024 werden 2017 vergeben, die Fußball-EM erst 2018. Zum Zeitpunkt der Olympia-Vergabe steht also noch gar nicht fest, wo die Fußball-EM stattfindet. Auch wenn Deutschland Favorit auf die EM sein sollte, wird dies das IOC wenig interessieren. Es kann seinen Favoriten wählen und die UEFA, bzw. Deutschland und der DFB müssen dann im Falle des Falles danach entscheiden, ob sie zusätzlich noch eine EM im gleichen Land wollen.

    4. Es ist eine deutsche Bewerbung, mit Hamburg als Stadt

    So stellen es der DOSB und die Befürworter gerne da, doch in Wahrheit gibt es eine Reihe von Fraktionen, die Hamburg lieber scheitern sehen würden. Dass die Begeisterung im Bund, oder zumindest im Innen- und Finanzministerium, nicht so groß ist, sich für Olympia in Hamburg einzusetzen, sieht man bereits daran, dass man einen Rückzieher bei den Bewerbungskosten machte (dazu gleich mehr) und nun sehr zögerlich ist, was die geforderte Kostenübernahme für die Spiele angeht, selbst wenn man damit den Olympiagegnern ein Argument liefert. Dass bei den in der nationalen Auswahl unterlegenen Berlinern nun alle „Feuer und Flamme“ für Hamburg sind, darf auch bezweifelt werden. Denn: Aktuell hat Berlin zumindest nie offiziell nein gesagt. Zieht sich Hamburg zurück, könnte Berlin es 2028 oder später noch einmal probieren – auch wenn die Stimmung für Olympia in Deutschland nach zwei negativen Referenden schlecht stünde. Der DFB ist aus den in Punkt 3 genannten Gründen womöglich auch nicht so sehr von Spielen in 2024 angetan. Und zu guter Letzt gibt es noch einige Bundesländer und Städte in Deutschland, denen ein Investitions- und Image-Programm für Hamburg im Rahmen von Olympia national Wettbewerbsnachteile verschaffen dürfte.

    5. Schon die Bewerbung hat Hamburg 50 Millionen Euro gekostet

    Die 50 Millionen für die Bewerbung, die immer wieder genannt werden, sind geplante Ausgaben bis 2017. Davon ist also bis jetzt nur ein Teil ausgegeben worden. Hinzu kommt, dass Hamburg diese nicht alleine zahlt, sondern auch der Bund etwas beisteuert: 10 Millionen, ursprünglich wurden von ihm 30 Millionen zugesagt. 25 Millionen sollen von privaten Investoren kommen. Richtig ist: Hamburg muss zahlen, was nicht von Bund oder Investoren kommt. Richtig ist aber auch: Die Stadt zahlt nicht alleine die 50 Millionen und schon gar nicht bis jetzt. Außerdem ist dieses Geld für die Bewerbung nicht mit den Werbeausgaben für ein Ja-Votum im Referendum zu verwechseln!

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    Über

    Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

    1 Kommentar

    1. „Wie viel Olympia in Hamburg tatsächlich kosten würde, kann jetzt nicht gesagt werden. Man kann es nur nach besten Wissen und Gewissen kalkulieren. Das ist in Hamburg passiert.“

      Richtig, man kann zum jetzigen Zeitpunkt die Kosten nur grob schätzen – egal wieviele Steigerungen man dort einbaut, mit den Zahlen am Ende müssen sie nichts zu tun haben. Die „beste Rechnung ever“ hilft also rein garnichts, da nur mit Grundannahmen 2015 gerechnet wurde – der Blankoscheck soll beim Referendum aber schon jetzt ausgestellt werden. Zudem fehlen im so großartigen Konzept Angaben zum Nutzen und den konkreten Vorteilen – nachhaltige positive wirtschaftliche Effekte oder eine nachhaltig Steigerung des Tourismus sind ja in den anderen Olympiastädten nicht nachgewiesen.

      Auch ohne großes Rechnen steht auch jetzt schon fast fest, dass die 1,3 Milliarden für den Umzug nicht reichen werden/können – selbst der Hafenverband rechnet mit bis zu 2 Milliarden. Da auch die Kosten des Sicherheitskonzeptes bewusst nicht mit den Maximalkosten angegeben sind, kann auch hier gut und gerne (oder leider) mit hohen Mehrkosten gerechnet werden. Die 1,2 Milliarden Ausgaben für Hamburg sind ein frommer Wunsch.

      Zwei Punkte aus der Olympiabewerbung die ständig wiederholt werden, aber auch die Unwahrheit sind:

      1. „Es gibt kein Risiko“ (Olympiabroschüre)
      2. „Alle Gewinnen“

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