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Was kostet uns Olympia? Hamburg legt Finanzkalkulation vor

Bild: Andreas Grieß
Debatte, Olympia in Hamburg

    Am heutigen Donnerstag, den 8. Oktober hat Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz die Kostenkalkulation für die Olympischen Spiele vorgestellt, die wenn es nach ihm geht, 2024 in der Hansestadt ausgetragen werden sollen. Demnach rechnen die Verantwortlichen mit Ausgaben in Höhe von rund 11,2 Milliarden Euro für die Spiele und deren Vorbereitung. 143 Millionen entfallen dabei auf Maßnahmen am Segelstandort Kiel, 461 Millionen sind für die öffentliche Sicherheit vorgesehen.

    Dem gegenüber stünden etwa 3,8 Milliarden Euro Einnahmen aus verschiedenen Quellen, allen voran dem Budget der Betreibergesellschaft (OCOG). Dieses setzt sich vor allem aus Zahlungen des IOC, von Ausrüstern, aber auch zum Beispiel dem Ticket-Verkauf zusammen. Der zweitgrößte Einnahmenpunkt ist der Grundstücksverkauf in der geplanten OlympiaCity. Der Großteil dieser Einnahmen wird aber erst nach den Spielen erwirtschaftet – dazu gleich.

    Infografik: So viel soll Olympia in Hamburg kosten | Statista
    Grafik: Statista

    Für die Vorbereitung und die Durchführung der Spiele ergibt sich aus den Zahlen demnach ein Saldo von rund 7,4 Milliarden Euro Kosten, die auf die öffentliche Hand zukämen. Laut dem Report könne Hamburg davon 1,2 Milliarden Euro beitragen. Finanziert werden solle dies ab 2018 aus dem Haushalt in jährlicher Höhe von 200 Millionen Euro.

    Ein neuer Stadtteil für eine halbe Milliarde Euro

    Auf die Stadt kämen zudem Kosten nach den Olympischen Spielen zu, da Hamburg plant, die Olympischen Stätten für Anschlussverwendungen umzubauen. Auf dem kleinen Grasbrook soll ein neuer Stadtteil entstehen mit Wohnungen für 18.000 Personen und etwa 7.000 Arbeitsplätzen. Die Sportstätten würden zum Teil für Freizeit und kleinere Wettkampf-Nutzung umgerüstet. Zudem soll die U-Bahn bis hierhin ausgebaut werden, was allein 172 Millionen Euro koste- aber zum Teil durch Infrastrukturprogramme gefördert werden könnte.

    Insgesamt ergeben sich in den Phasen B und C nach den Spielen laut dem vorgelegtem Finanzreport Kosten von Rund 1,1 Milliarden Euro. Gleichzeitig rechnet die Stadt Hamburg mit Einnahmen von etwa 623 Millionen Euro. Es blieben also aufzubringende Gelder in der Höhe einer halben Milliarde Euro, die im Wesentlichen durch die Stadt Hamburg zu tragen seien. Die Haushaltsbelastung daraus für Hamburg verteilt sich, so steht es im Report, in den fünfzehn Jahren nach den Olympischen und Paralympischen Spielen auf Raten von jährlich 34,13 Millionen Euro.

    Kritiker weisen auf Kostensteigerung und Risiko durch private Investoren hin

    Kritiker bemängeln, dass genaue Vorhersagen zu den Einnahmen und Kosten zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich seien. Sie verweisen zudem darauf, dass die Stadt zu früheren Zeitpunkten niedrigere Kosten in den Raum gestellt habe. Fairspielen betont, dass in der vorgelegten Planung auch von Kosten privater Investoren von 3,6 Milliarden Euro aufgeführt werden, deren private Übernahme nicht zwingend gesichert sei.

    Eine möglichst konkrete Finanzplanung zu diesem Zeitpunkt ist nötig, um den Hamburgern für den am 29. November angesetzten Volksentscheid zur Olympia-Bewerbung eine bessere Entscheidungsgrundlage zu bieten.

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    Über

    Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

    4 Kommentare

    1. Schön zusammengefasst. Nur eins: „Kritiker weisen“, nicht „Kritiker weißen“ in der Überschrift.

      (Darfst den Kommentar gerne löschen) 🙂

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