Der Michel. Bild: St. Michaelis

Der Hamburger Michel

Bilder: St. Michaelis (Titel, erstes Michel-Bild). Weitere Bilder: Inga Zimmermann
Kunst und Kultur, Stadtgefühl, Termine
    Der Telemichel

    Der Telemichel

    Wir kennen ihn alle, den Hamburger Michel. Gemeint ist der Kirchturm der St. Michaelis Kirche in der Neustadt.  Er gilt als das Wahrzeichen unserer Stadt und der Turmbesuch ist ein Muss für die meisten Touristen. Wir nennen sogar den Hamburger Fernsehturm in Anlehnung an unser Wahrzeichen Telemichel.

    Die evangelische Kirche und der Turm wurden im Barockstil gebaut und das gleich dreimal, denn die Kirche brannte in der Vergangenheit zweimal ab. Ursachen waren ein Gewitter und ein Arbeitsunfall. Die erste Erbauung wurde 1669 fertig gestellt, der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1906. Der Turm sollte dabei immer identisch aufgebaut werden, so die Forderung der Bürger. Ein Wahrzeichen muss eben ein Wahrzeichen bleiben.

    Der Michel. Bild: St. Michaelis

    Der Michel. Bild: St. Michaelis

    Ehrlich gesagt, als ich selber das erste Mal als Tourist nach Hamburg kam, war ich erstaunt: Der Michel als das Wahrzeichen der Stadt Hamburg?  Er wirkte für mich eher unscheinbar. Der Hafen, die Landungsbrücken, der Jungfernstieg, das Rathaus, die Speicherstadt – all das hätte ich eher als  d a s  Wahrzeichen bezeichnet als diesen Kirchturm. Warum ist es also der Michel?

    Der Turm ist knapp über 132 Meter hoch und steht zudem noch auf einem Hügel –  oder für Leute vom flachen Land wie mich: auf einem Berg. Er ist vor allem vom Hafen sehr gut sichtbar und ist und war so natürlich für alle Seeleute, die nach Hamburg kommen. Der Michel war so immer mit das Erste, was die Besucher unserer Stadt wasserwärts sahen. Von oben hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt und den Hafen.

    Erst mit der Zeit, die ich nun in Hamburg wohne und die ich in Hamburg und Umgebung herum gekommen bin, nehme ich den Michel auch immer mehr als eines der Hamburger Wahrzeichen und vielleicht sogar das Wahrzeichen wahr. Er ist aus so vielen Blickwinkel, Entfernungen und Stadtteilen sichtbar, meistens in der Nähe der Elbe natürlich, und bietet immer eine gute Orientierung. So langsam verstehe ich also seinen Status…

    Der Namenspatron Michael

    Doch was hat es mit seinem Namenpatron auf sich? Hat auch er etwas mit seiner Bedeutung zu tun oder ist es allein die architektonische Leistung?

    St. Michaelis, dies führt auf den Namenspatron Michael, den Erzengel, zurück. Er befindet sich in dem Kirchenraum in Form einer kupfernen Statue über dem Haupteingang. Der Name „Michael“ bedeutet in etwa „Wer ist wie Gott?“. Der Erzengel Michael – einer unter vier Erzengeln des Christen- und Judentums – gilt als Schutzpatron vieler Gruppen. Diese sind Ritter, Soldaten, Kaufleute, Apotheker, Bäcker, Arme und Sterbende. Er ist der Mächtigste aller Erzengel. Er besiegt das Böse und hilft, dass das Gute und die Gerechtigkeit siegen. Er findet öfter Erwähnung in alten religiösen Schriften und Überlieferungen. Doch eine hat sich durchgesetzt: Zum Zeitpunkt der Schöpfung stürzte Michael Luzifer aus dem Himmel – er besiegte den Teufel!

    Die Symbole des Erzengels Michaels sind unter anderem ein Schwert, Feuer und die Farbe Rot. Rot, das passt gut zum Hamburger Wappen und der Flagge. Feuer? Nun ja, die Kirche des Michel brannte wie erwähnt zweimal ab und auch die Stadt Hamburg erlebte verherrende Feuer.  Das Schwert? Pazifistisch dürfen wir das jetzt nicht sehen. Ein Schwert benötigen wir zur erfolgreichen Verteidigung unserer Stadt, wenn wir Angreifer abwehren und um den Schutz zu wahren.

    Wegen seiner Bedeutung gilt Michael als der Schutzherr des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Und er ist Namensträger vieler Kirchen in Deutschland. Am 29. September ist der Michaelistag, also der Namenstag unseres Wahrzeichens – zumindest für die Katholiken, Evangelen, und Anglikaner. Die Orthodoxen, Armener, Kopten und Syrisch-Orthodoxen feiern am 8. November. Und alle anderen, ach, lassen wir es doch einfach beim 29. September, da die St.Michaelis-Kirche evangelisch ist. Eigentlich sollten wir den doch feiern, denn solch ein Wahrzeichen verdient es doch, oder?

    Tolle Aussicht, Akustik und Voraussicht
    – Offizielle Besuchszeiten findet man auf der Seite der St.Michaelis-Gemeinde.
    – Es gibt auch spezielle Nachtöffnungszeiten, um die Stadt auch im Dunklen bewundern zu können.
    – Wollt ihr den Innenraum der Kirche und nicht nur die Aussicht musikalisch genießen wollt, kann ich aus persönlicher Erfahrung insbesondere den Chor St. Michaelis empfehlen und hier als einen Klassiker das Brahm Requiem, welches dieses Jahr am Samstag, den 21.11.2015 um 18 Uhr stattfindet.
    – Live von überall genießt man den Blick via LiveCam.
    – Benötigt ihr ein Engel-Orakel, es gibt eins für Michael (Okay, es gibt wirklich alles im Internet!).
    Korrektur
    In der ersten Version des Beitrags hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen – und das ausgerechnet bei Kirchen. Halleluja! Jedenfalls zeigten wir im Titel statt des Michel die Hauptkirche St. Katharinen. Unverzeihlich. Wir bitten dennoch um Verzeihung – und haben das Bild ausgetauscht!
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    Über

    “Wenn Deutschland, dann Hamburg.” Auch wenn es gerade nicht Deutschland ist, Hamburg ist das Zuhause im Herzen. Hier bei Elbmelancholie kann Inga über ihre Erlebnisse in der Hansestadt Hamburg und Gedanken zu den hiesigen Geschehnissen berichten. Stellvertretende Redaktionsleiterin von Elbmelancholie

    1 Kommentar

    1. Sehr nette Beschreibung des Michel! Ich fürchte allerdings, Ihnen ist ein falsches Foto reingerutscht. Der mehrstöckige Turm ist nicht der Michel …

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