Feuer und Flamme Fahne

Olympia: Lässt die Bundesregierung Hamburg auf 20 Millionen Kosten sitzen?

Bild: Andreas Grieß
Debatte, Olympia in Hamburg

    “Der Beschluss macht deutlich, dass es sich bei der Olympiabewerbung um ein Projekt von nationalem Interesse handelt”, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Und auch DOSB-Vorstandsvorsitzender Michael Vesper frohlockte, dies mache deutlich, dass Hamburg “mit der Unterstützung aus dem ganzen Land rechnen” könne. Das war am 21. Mai dieses Jahres, als der DOSB glücklich in einer Pressemitteilung verkündete: “Der Bund wird für die Bewerbung Hamburgs um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 30 Millionen Euro zur Verfügung stellen.”

    Wie die Welt schreibt, hat die Bundesregierung dieses Budget nun jedoch um zwei Drittel gekürzt. Der Presseagentur dpa gegenüber wurde dies mittlerweile bestätigt. Die Ministerien (Innen und Finanzen) werden demnach trotz des 30 Millionen Beschlusses des Haushaltsausschusses des Bundestags nur 10 Millionen für die Bewerbung Hamburgs beisteuern. Die Welt zitiert eine Sprecherin des Innenministeriums folgendermaßen: “BMI und BMF sind der Auffassung, dass diese Bundesmittel vor dem Hintergrund der getroffenen Vereinbarungen zwischen den Gesellschaftern absolut ausreichend sind, um eine erfolgreiche deutsche Bewerbung durchzuführen. Deshalb haben sich BMI und BMF darauf verständigt, dass weder in 2016 noch in 2017 Mittel für die Olympiabewerbung veranschlagt werden.“

    Mit “getroffenen Vereinbarungen zwischen den Gesellschaftern” meint das Innenministerium offenbar folgenden Passus aus der Gesellschaftervereinbarung der Bewerbungsgesellschaft, über den wir vor Kurzem berichtet haben:

    “Die Vertragspartner gehen davon aus, dass das Bewerbungsbudget rund 50 Mio. EUR beträgt und dass die Hälfte der von der Gesellschaft benötigten Finanzierungsmittel durch private Sponsoren erbracht werden kann. Sofern die Deckung der Finanzierungsmittel nicht durch private Sponsoren gewährleistet werden kann, wird die FHH für diese Deckung im erforderlichen Umfang eintreten. Eine Nachschusspflicht der anderen Gesellschafter besteht nicht.”

    Damals gingen wir noch von den angekündigten 30 Millionen Euro durch den Bund aus und beschrieben das Restrisiko der Stadt mit 20 Millionen Euro, falls die privaten Sponsoren nicht aufgetrieben werden können. Mit diesen unsicheren Einnahmen aus der Wirtschaft kalkuliert der Bund fest. So lesen wir in der Welt, das Innenministerium sei der Ansicht, dass nur 25 Millionen von den Gesellschaftern getragen werden müssten. Da der DOSB, Schleswig-Holstein, Kiel und die Handelskammer nichts oder kaum etwas beisteuern würden, wären dies in erster Linie der Bund und Hamburg. Und da Hamburg mehr Anteile an der Bewerbergesellschaft halte, müsse es auch einen höheren Anteil beisteuern. „Damit besteht nach heutigem Stand kein Bedarf, über die bereits für 2015 veranschlagten 10 Mio. Euro weitere Sachmittel auszubringen“, zitiert die Zeitung die Ministeriums-Sprecherin.

    Nun könnte Hamburg auf 40 Millionen Euro Kosten hängen bleiben

    Nur: Dass das Budget an die Gesellschafteranteile gekoppelt ist, ist nirgendwo festgehalten. Da zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Verträge bereits die 30 Millionen-Zusage aus Berlin bestand, muss man sogar fragen, ob die Bundesregierung die Stadt Hamburg bewusst getäuscht hat – oder andersherum: ob die Stadt Hamburg sich hat über den Tisch ziehen lassen. Denn aufgrund der Vertragslage bleibt nun Hamburg auf den Kosten sitzen, welche die Bundesregierung kurzerhand eingespart hat. Bleibt es bei der reduzierten Summe vom Bund muss die Stadt mindestens besagte 15 Millionen Euro für die Bewerbung ausgeben. Im schlechtesten Fall kann diese Summe sogar auf satte 40 Millionen Euro anwachsen – oder sogar mehr, wenn die veranschlagten 50 Millionen Euro Gesamtbudget zu niedrig kalkuliert seien.

    Laut Welt gibt es hinter den Kulissen Unstimmigkeiten zwischen dem Bund und dem DOSB hinsichtlich der Frage, wie groß der Einfluss des Bundes auf die Bewerbung sein soll. Ist die reduzierte Summe des Bundes also womöglich eine Retourkutsche? Hamburgs Sport-Staatsrat Christoph Holstein äußerte gegenüber der dpa, es sei nicht überraschend, dass der Bund nur zehn Millionen Euro beisteuert. Hat man also nie mit den vollen 30 Millionen Euro gerechnet?

    DOSB und Hamburg: Thema wird „team- und erfolgsorientiert gelöst“

    Beim DOSB und der Hamburger Behörde für Inneres und Sport geht man auf meine Nachfrage hin nicht konkret auf die neusten Ankündigungen des Innenministeriums ein, zeigt sich aber weiter optimistisch, mit allen Beteiligten gemeinsam die kalkulierten Kosten von 50 Millionen Euro stemmen zu können. Und: Offenbar gab es hinter den Kulissen bereits Gesprächsbedarf, denn wortgleich erreicht mich von beide Stellen folgende Stellungnahme, die auch an die Presseagentur ging:

    „Die Gesellschafter gehen aktuell davon aus, dass die Bewerbungskosten bei insgesamt rund 50 Mio. Euro liegen werden. Die detaillierte Finanzierung wird in den kommenden drei Monaten gemeinsam erarbeitet. Es gibt Zusagen der Freien und Hansestadt Hamburg, des Bundes und der Wirtschaft, die keinen Zweifel daran lassen, dass die genannten 50 Mio. Euro in einem stimmigen Gesamtkonzept vor dem Referendum abgesichert werden können. Dieses zweifelsohne sehr wichtige Thema wird wie alle bisherigen Themen team- und erfolgsorientiert gelöst.“

    Auch die Handelskammer habe ich zur aktuellen Entwicklung um Stellungnahme gebeten und gefragt, wie die Sponsoren-Akquise bislang verlaufe. Bislang erreichte uns noch keine Antwort. Sobald eine eintrifft, werden wir diese hier nachreichen.

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    Über

    Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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