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Kritik an Olympia-Plänen: „Was mit uns passiert, interessiert keinen“

Bild: Elisabeth Hyra
Debatte, Olympia in Hamburg

    Am Dienstagabend stellte die Stadt Hamburg bei der sogenannten „Stadtwerkstatt Olympic City“ im Cruise Center in der HafenCity ihren endgültigen Masterplan für das Olympische Gelände vor. Dichtgedrängt verfolgten wieder Hunderte von Hamburgerinnen und Hamburgern die öffentliche Vorstellung mit anschließender Diskussion. Bereits zur ersten öffentlichen Vorstellung der Architekten vor genau drei Wochen war die MagnusHall an der Amsinckstraße brechend voll. Schon da war den Organisatoren und Planern klar – die Olympiabewerbung Hamburgs bewegt die Hanseaten! Ob für und gegen – auch am Dienstagabend entstand eine rege Diskussion, bei der vor allem die Hafenarbeiter vom Logistikunternehmen BUSS ihren Unmut Luft verschafften.

    Das ist der endgültige Masterplan für die „Olympic City“

    Bei der räumlichen Aufteilung des Areals im Hafen während Olympischer und Paralympischer Spiele 2024 hat sich das Architekten-Team weitestgehend festgelegt: An der nördlichen Spitze des kleinen Grasbrooks soll die Olympiahalle (15.000 Sitze) für Turnen und Basketball positioniert werden, daneben ist Platz für Public Viewing. Im Zentrum ist natürlich das 70.000 Zuschauer fassende Olympiastadion geplant, in dem die Leichtathletikwettkämpfe sowie die Eröffnungs- und Schlussfeier stattfinden würden.

    So stellt sich das Architekten-Team das Olympische Gelände auf dem kleine Grasbrook vor.  Bild (c): KCAP, Arup, Vogt, Kunst + Herbert |GMP, WES, Drees & Sommer

    So stellt sich das Architekten-Team das Olympische Gelände auf dem kleine Grasbrook vor.
    Bild (c): KCAP, Arup, Vogt, Kunst + Herbert |GMP, WES, Drees & Sommer

    Auf der restlichen Fläche soll sich das olympische Dorf für die rund 18.000 Athleten, Trainer und Betreuer anschließen. Die Schwimmhalle mit ihren 12.500 Zuschauerplätzen, soll am Prager Ufer auf dem nördlichen Teil des Kleinen Grasbrooks errichtet werden. „Diese drei zentralen Gebäude werden auf in etwa gleichgroße Flächen verteilt, wodurch gleichmäßige Auffangbecken für Zuschauer vorhanden sein werden“, argumentiert Architekt Kees Christiaanse.

    Nachnutzung: Ein Drittel der neuen Wohnungen wird sozial gefördert

    Auch die Pläne zur Nachnutzung des Areals als neuer Hamburger Stadtteil nehmen immer mehr Gestalt an. Aus der Schwimmhalle würde ein Spaß- und Freizeitbad der Bäderland GmbH werden. Wie schon länger bekannt soll die Olympiahalle als viertes Kreuzfahrtterminal fungieren. Nikolaus Goetze vom Hamburger Architektenbüro gmp Gerkan, Mark und Partner: „Mehr als 250 Schiffe besuchen Hamburg pro Jahr. Da wäre ein viertes Kreuzfahrtterminal von großem Nutzen.“ Das olympische Dorf soll nach Westen erweitert werden, wo rund 5000 behindertengerechte Wohnungen auf der Fläche entstehen können. Ein Drittel dieser Wohnungen soll gefördert werden, wodurch die Stadt Hamburg den Olympia-Kritikern etwas Wind aus den Segeln nehmen möchte. Denn diese argumentieren unter anderem, dass die Olympischen Spiele vor allem zu einer Mietsteigerung in Hamburg führen werden.

    Die „Olympic City“ nach den Olympischen Spielen Bild (c): KCAP, Arup, Vogt, Kunst + Herbert |GMP, WES, Drees & Sommer

    Die „Olympic City“ nach den Olympischen Spielen
    Bild (c): KCAP, Arup, Vogt, Kunst + Herbert |GMP, WES, Drees & Sommer

    Während seiner Präsentation erklärt Goetze: „Olympia ist ein Schritt. Die Nachnutzung ist ein Umweg, den wir aber gehen müssen.“ Dieser Umweg bedeutet beispielsweise für das Olympiastadion: Es soll nach den Spielen von 50.000 auf rund 20.000 Plätze zurückgebaut werden. Der Innenraum kann dabei zu einem Sportpark umgestaltet werden. Ein Ring mit 300 Wohnungen mit Balkons und Terrassen könnte die Tribünen ersetzen. Goetze: „Es sollen moderne Wohnungen für Singles und junge Familien sein. Gleichzeitig soll es auch ein Raum für Mehrgenerationen-Projekte geben.“

    „Was mit uns passiert, interessiert keinen“

    Auf wenig Zuspruch trafen die Ideen und Konzepte der Architekten bei den Hafenarbeitern. Bei der Diskussionsrunde, die im Anschluss an die Präsentation erfolgte, stürmten mehr als 60 Mitarbeiter des Logistikunternehmens BUSS in Richtung Rednerpult. Ihnen allen Ihrem Terminal (Korrektur, 24.06., 15:52 Uhr. Siehe Kommentar 1) wurde zum 31. Dezember 2016 gekündigt. Die Olympiabewerbung Hamburgs habe damit nichts zu tun, bügelt Oberbaudirektor Prof. Jörn Walter die Hafenarbeiter ab. Recht glauben kann man ihm dies aber nicht. Aus diesem Grund ist der Frust der Männer mehr als verständlich, als sie abschließend entgegnen: „Was mit uns passiert, interessiert keinen so recht.“

    Am 14. Juli steht die nächste „Stadtwerkstadt Olympic City“ an. Auch da wird es bei den Diskussion wieder heiß hergehen. Die Planer möchten Skeptiker und Olympiagegner aber schon mal vorab den Wind aus den Segeln nehmen. So versicherten sie am Abend inbrünstig: „Die Fehler, die bei der Elbphilharmonie gemacht wurden, werden wir nicht machen.“

    Was macht die Konkurrenz?

    Auch Hamburgs Konkurrenten um den Zuschlag für Olympia 2024 gehen immer mehr in die Offensive. Dienstag gab Paris seine Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024 offiziell bekannt. Unter dem Motto „Ich will die Spiele“ („Je veux les jeux“) stellten die Organisatoren in der französischen Hauptstadt die Bewerbung vor. Eine kleine Planänderung bahnt sich hingegen in den USA an: Dort stand eigentlich Boston als Olympiabewerber fest. Da die Olympiazustimmung in Boston immer weiter sinkt und in der Bevölkerung bei nur noch 39 Prozent liegt, scheint das Nationale Olympische Komitee der Vereinigten Staaten (USOC) Boston nun sein Vertrauen zu entziehen. Statt Boston könnte sich nun Los Angeles um die Spiele bewerben.

    Neben Paris und Hamburg hat Rom bereits seine Kandidatur erklärt. Darüber hinaus gelten Bewerbungen aus Baku (Aserbaidschan), Budapest (Ungarn) und Doha (Katar) als wahrscheinlich. Weitere Städte haben zumindest zeitweilig eine Bewerbung in Betracht gezogen und könnten noch wieder auf den Zug aufspringen.

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    Über

    Nach dem Abschluss ihres Germanistik-Studiums baut sich die gebürtige Hamburgerin nun ein Standbein als freie Journalistin auf. Da ihr Herz für den Sport und insbesondere für den Fußball schlägt, schreibt sie bei Elbmelancholie vor allem über Themen rund um den Sport. @ElliHyra

    3 Kommentare

    1. Im Bericht über die Kritik an den Olympia-Plänen gibt es ein Missverständnis: Nicht unseren Mitarbeitern ist zum 31.12.2016 gekündigt, sondern unserem Terminal. Zu diesem Zeitpunkt endet der Pachtvertrag zwischen Buss und Hamburg Port Authority.

    2. Pingback: Der Fluglärm, die Kleingärtner und "hella Aufregung" - Speersort 1 - ZEIT ONLINE

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