sieger sl fussball em

Schwul-lesbische Fußball-EM in Hamburg: Berlin und Moskau holen Titel

Bild: Elisabeth Hyra
Sport

    Habt ihr es mitbekommen? In Hamburg war gerade Fußball-Europameisterschaft! Ganz ohne Public Viewing, Autokorsos und Deutschland-Fähnchen an den Autos. Die dritte Auflage der schwul-lesbischen Fußball-Europameisterschaft fand ganz ohne dieses Brimborium statt. Ja, ihr lest richtig. Eine schwul-lesbische Fußball-EM. Auch in der heutigen Zeit leider keine Selbstverständlichkeit. Schade. Denn in anderen gesellschaftlichen Bereichen, werden Schwule und Lesben akzeptiert. Doch gerade im Fußball wird es Homosexuellen immer noch besonders schwer gemacht, sich zu ihrer sexuellen Neigung und Orientierung zu bekennen. Ein Coming Out eines aktiven Profi-Fußballers ist auch im Jahre 2015 für viele einfach undenkbar.

    „Startschuss e.V.“ als Gastgeber 2015

    Nach Manchester (2011) und Dublin (2013) war Deutschland zum ersten Mal Gastgeber des „IGLFA (International Gay & Lesbian Football Association) European Championship“. Organisator war der rein schwul-lesbische Sportverein „Startschuss“. Seit 25 Jahren gibt es diesen Verein schon. In 16 Sportarten können sich Homosexuelle messen, ohne dass sie von der Seite schief angeschaut werden. Gerade im Fußball, eine der ersten Sportarten im Verein, sind Schwule immer noch keine Selbstverständlichkeit.

    Mit der Ausrichtung der Fußball-EM wollten die Hamburger ein Zeichen setzen: Gegen Diskriminierung und für Akzeptanz. Das Turnier sollte deshalb auch nicht nur als ein Fußballfest für Schwule und Lesben, sondern vor allem als ein Signal nach außen verstanden werden. Denn Schwule und Lesben dürfen im Fußball nichts Ungewöhnliches sein! Sie haben wie alle anderen auch ihren Platz im Fußball.

    IGLFA 1

    Ein Zeichen gegen Homophobie im Fußball. Schwule und Lesben sollen auch im Sport als selbstverständlich gesehen werden

    Alexander von Beyme, der die Organisation der EM geleitet hat, sagte bereits vor Turnierbeginn: „Die Bedeutung wird nicht so sehr auf dem sportlichen Aspekt liegen, sondern auf dem gesellschaftlichen Signal. Wir werden 400 homosexuelle Sportler auf den Plätzen haben, stellen so eine Sichtbarkeit her.“

    Rund 30 Vereinsmannschaften nahmen teil

    Gespielt wurde auf dem Gelände des HSV Nachwuchszentrums in Norderstedt. Seit Freitag kämpften, grätschten und dribbelten über 400 Fußballerinnen und Fußballer um den Titel. Teilgenommen haben keine Nationalmannschaften, sondern Vereinsmannschaften aus verschiedenen Städten. Insgesamt nahmen mehr als 30 Vereinsmannschaften aus neun Ländern teil. Hamburg war insgesamt mit vier Mannschaften vertreten: Neben den „Ballboys“, kickten bei den Frauen die „Kicking Deerns“ und die Damen des „SC Sternschanze“ mit.

    Bei den Männern wurde in drei Leistungsklassen gespielt. In der zweiten Division belegten die „Ballboys“ Platz vier. Im Spiel um Platz Drei mussten sie sich den „Stockholm Snipers“ mit 1:2 geschlagen geben. Torwart Moritz (30) war nach der Niederlage sichtlich enttäuscht: „Wir haben uns mehr erhofft. In der Gruppenphase haben wir so gut gespielt. Heute waren wir alle einfach fertig und platt.“ Die Medaillen sollten sich also andere sichern.

    Neben deutschen Vereinen kamen auch viele internationale Vereine an die Elbe. Bemerkenswert: Zum ersten Mal traten auch Teams aus Russland und Serbien an. Man bedenke nur, dass homosexuelle Sportler dort um ihre Sicherheit – ja sogar um ihr Leben – fürchten müssen. Für die Damen hat sich die lange Anreise aber auf jeden Fall mehr als gelohnt: Die Moskauerinnen sicherten sich gleich beim ersten Anlauf den EM-Titel.

    Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger (2.v.l.) bei der Medaillenübergabe neben Alexander von Beyme (l.) von „Startschuss e.V.“

    Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger (2.v.l.) bei der Medaillenübergabe neben Alexander von Beyme (l.) von „Startschuss e.V.“

    Bei den Männern durften sich die Kicker von „Vorspiel Berlin“ mit dem Titel „Europameister 2015“ schmücken. Sie ließen sich nicht vom starken Regen, Blitz und Donner, der pünktlich zum Final-Anpfiff am Samstagnachmittag einsetzte, abschrecken und gewannen souverän mit 3:0 gegen die Männer des „Dublin Devils FC“.

    Fußball im Wandel

    „The game is changing“ – so hieß das Motto des diesjährigen Turniers. Und dieser Slogan soll im Fußball auch Programm sein. Spätestens seit dem Outing des Ex-Nationalspielers Thomas Hitzlsperger im vergangenen Jahr ist die Diskussion rund um schwule Fußballer in der Öffentlichkeit langsam ins Rollen gekommen. Der 52-malige Nationalspieler outete sich als erster deutscher Profi-Fußballer zu seiner Homosexualität. Seitdem ist er für viele schwule Fußballer ein Vorbild. Kein Wunder, dass er bei dieser EM auch als Ehrengast vor Ort war und die Medaillen bei den Siegerehrungen überreichte.

    Die Diskriminierung von schwulen Fußballern hat zwar leicht abgenommen, ist aber längst nicht überwunden. Eins ist klar: Bis schwule Fußballer in der Gesellschaft eine annähernd so große Akzeptanz wie ihre heterosexuellen Fußball-Kollegen haben werden, wird es noch eine lange, eine sehr lange Zeit dauern. Dies ist aber kein sportliches Problem, sondern vielmehr ein gesellschaftliches. Es sagt schließlich schon viel über unsere Gesellschaft aus, dass Thomas Hitzlsperger diesen Schritt des Coming Outs erst nach seinem Karriereende als aktiver Profi unternehmen konnte.

    • Anzeige


    Über

    Nach dem Abschluss ihres Germanistik-Studiums baut sich die gebürtige Hamburgerin nun ein Standbein als freie Journalistin auf. Da ihr Herz für den Sport und insbesondere für den Fußball schlägt, schreibt sie bei Elbmelancholie vor allem über Themen rund um den Sport. @ElliHyra

    1 Kommentar

    1. Pingback: Wochenrückblick: Mietpreisbremse, Walrossbaby

    Schreibe einen Kommentar


    Captcha:
    Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.