In eigener Sache: Wie man euch Elbmelancholie vermiesen will

Bild: Death to the stock photo
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In jüngster Zeit haben mehrere lokaljournalistische Angebote angekündigt, künftig Geld von ihren Lesern zu verlangen. Keine Angst, wir wollen nun kein Geld von euch. Unser Finanzierungsmodell ist etwas komplexer und soll in diesen Beitrag nicht im Zentrum stehen, auch wenn wir es mit Interessierten gerne diskutieren. Wir bitten hier nur kurz um eure Aufmerksamkeit und hoffen, dass ihr euch mit uns für eine Sache einsetzt. Es ist nämlich so: Ein Teil der Einnahmen, mit denen wir Elbmelancholie verwirklichen und ausbauen, wird mit Anzeigen generiert. Und wir können die Kollegen, die ihre Beiträge nur noch gegen Bezahlung anbieten wollen, in einen Punkt verstehen: Der Werbemarkt ist mies.

„Da der Kunde nicht direkt in Verbindung mit dem Blog gebracht werden möchte, handelt es sich hier nicht um Anzeigen“

Dabei geht es gar nicht mal darum, dass es wenig Interesse an Anzeigen gäbe. Das Problem ist ein Mangel an seriösen Anzeigen. Es gibt Werbende, die verlangen zusätzlich zu einer Anzeige passende redaktionelle Berichterstattung. Und es gibt jede Menge Unternehmen und Agenturen, die ihre Anzeigen überhaupt nicht gekennzeichnet haben wollen oder wenn, dann so, dass ihr es nicht merkt. Wenn man die Anzeigeninteressierten darauf hinweist, dass Anzeigen bei uns als solche gekennzeichnet werden, kommen schon einmal Entgegnungen wie “Da der Kunde nicht direkt in Verbindung mit dem Blog gebracht werden möchte, handelt es sich hier nicht um Anzeigen.” Das ist natürlich Unsinn. Ein Beitrag, für den gezahlt wird, ist immer eine Anzeige. Und ihr habt das Recht, das zu erfahren.

Auch Gewinnspiele sind oft Werbeaktionen

Wir wollen, dass ihr sicher sein könnt: Ein Beitrag erscheint auf Elbmelancholie, weil die Redaktion das Thema für euch für wichtig, interessant, relevant oder unterhaltend empfindet. Alles andere gehört klar gekennzeichnet. Das gilt im Übrigen auch für die vielen Grauzonen: Wenn irgendwo Gutscheine verlost werden oder Eintrittskarten, dann sind das in aller Regel ebenfalls Werbeaktionen. Oft genug wollen potentielle Kunden für einen Beitrag über sich nämlich noch nicht einmal Geld zahlen, sondern bieten etwas von ihrem Produkt als Gegenleistung an, oft mit der Bitte, dies zu verlosen. Oder aber sie meinen, sie würden etwas für uns und euch tun, indem sie anbieten, Informationen oder gleich einen ganzen fertigen Artikel über sich selbst zu liefern.

Natürlich können Verlosungen von Karten oder Ähnliches ein Mehrwert sein. Gegen eine Verlosung ist zunächst einmal nichts einzuwenden (auch bei uns wird es künftig regelmäßig eine geben, dazu zu einem späterem Zeitpunkt mehr). Klar sein muss aber: Ob eine Veranstaltung in unseren Tipps vorkommt oder nachbesprochen wird, bleibt eine redaktionelle Entscheidung – unabhängig von etwaigen Verlosungen.

Zu viele Seiten spielen das Spiel der Werber mit

Dass es so viele Werber gibt, die sich an diese Regeln nicht halten wollen, macht es uns schwerer, Elbmelancholie so gut zu machen, wie ihr es als Leser verdient habt und wie wir es uns wünschen. Und dass es viele Seiten gibt, die dieses Spiel mitspielen, auch. Seiten, die Anzeigen nicht oder nur versteckt markieren, die lieber ein Umfeld für Werber schaffen, als Journalismus zu betreiben und denen es offenbar mehr ums Geld verdienen geht, als darum, ein tolles Medium zu schaffen. Das stimmt uns mal traurig, mal aggressiv, besonders wenn die entsprechenden Medien sich vordergründig mit Hamburg beschäftigen. Und es sorgt dafür, das PR-Agenturen mittlerweile verwundert oder gar sauer sind, wenn man ihnen mitteilt, dass man ihr Thema nicht einfach so auf die Seite schleust.

Im gemeinsamen Interesse bitten wir daher darum: Geht diesen Werbern und geht diesen Seiten nicht auf dem Leim. Liked nicht alles, nur weil man euch etwas umsonst verspricht. Kommentiert kritisch, wenn etwas nach ungekennzeichneter Werbung aussieht. Fragt kritisch nach, ob ein Beitrag auch ohne die dazugehörige Verlosung erschienen wäre. Beobachtet genau, wo recherchiert wird und wo nur Platz für Werbung geschaffen wird. Es heißt immer, mittel- und langfristig honorieren Leser Qualität. Darauf setzen wir. Wenn ihr kritisch bleibt und besser sogar noch kritischer werdet, werden Praktiken wie die oben beschriebenen hoffentlich für solche Werbetreibenden und solche Seiten zum Bumerang. Profitieren würden letztlich alle: Die ehrlichen Werbekunden, die Leser und der Journalismus.

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Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

2 Kommentare

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