Feuer und Flamme Briefmarken

Danke, Berlin

Bild: Andreas Grieß
Debatte, Olympia in Hamburg

    Der DOSB hat sich also entschieden: Hamburg soll deutscher Kandidat für die Olympischen Sommerspiele werden, nicht Berlin. Und auch wenn es angesichts der gern gepflegten Konkurrenz und bisweilen gar Abneigung zwischen beiden Städten leicht fällt, nun überheblich „ätschibätsch“ gen Osten zu schreien, wäre das genau die falsche Reaktion. Angemessen wäre ein „Danke, Berlin!“.

    Hamburgs Bewerbung stößt innerhalb der Stadt auf deutlich größere Zustimmung. Und: Hamburgs Bewerbung ist die bessere. Eine sogenannte „second city“ kann mehr von den Spielen profitieren, als eine Hauptstadt. Gleichwohl wäre international Berlin mindestens ebenso chancenreich gewesen. Genau das macht Hamburgs Bewerbung so stark. Ein Konzept, dass sich gegen die „logische Wahl“ Berlin durchzusetzen vermag, lässt auch beim IOC aufhorchen. Der Konkurrenzkampf zwischen Hamburg und Berlin hat dazu geführt, dass Hamburg schon frühzeitig ein gutes Konzept erarbeiten musste. Durch die starke Konkurrenz haben die Verantwortlichen hier bereits im nationalen Wettbewerb gelernt, für die eigenen Vorzüge zu werben. Und sie haben bereits jetzt Kritikpunkte und Schwächen ausmachen können, an denen nachgebessert werden kann.

    Mehr noch: Frühzeitig war klar, dass vor allem die Zustimmung in der potentiellen Bewerberstadt ein wichtiger Faktor wird. Darum setzten beide Städte stark darauf, die Bevölkerung mitzunehmen. Nach der Ablehnung in München muss dahingehend auch ein Dank in Richtung Süden ausgesprochen werden. Das führte zwar auch zu reichlich Pro-Olympia-Werbung, sorgte aber auch dafür, dass viele Diskussionsrunden stattfanden, dass Bürger Konzepte und Vorschläge einreichen konnten und die Nachnutzung im Konzept stark bedacht wird.

    All diese Dinge wären ohne einen Zweikampf im eigenen Land schwächer ausgefallen. Es hätte gereicht, die Mehrheit, nicht eine möglichst große Mehrheit, für die Spiele zu begeistern. Und oft wäre gut genug gewesen, statt besser, wie es nun der Fall ist. Fest steht: Hamburgs Bewerbung hat bessere Chancen, weil Berlin sich auch bewerben wollte. Und außerdem: Sollte unsere Stadt tatsächlich die Spiele erhalten, werden wir die Hauptstadt benötigen. Ihre Sportstädten werden Mannschaften für die Vorbereitung dienen, viele Touristen werden beide Städte besuchen und nicht zuletzt werden diejenigen, die an Berlins Konzept gearbeitet haben, wertvollen Input für Hamburg bieten können.

    Für eine international erfolgreiche Bewerbung wird Hamburg nun die Unterstützung der Berliner brauchen. Denn machen wir uns nichts vor: Die nationale Auswahl für sich zu entscheiden ist in Sachen Olympia nicht einmal im entferntesten die halbe Miete.

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    Über

    Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

    2 Kommentare

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