Hamburg – die schönste Stadt der Welt?

Bilder: Ehlers / Henning / Zimmermann
Stadtgefühl

    Hamburg – die schönste Stadt der Welt! Wer kennt es nicht, dieses leicht nach Unterstatement klingende Selbstverständnis der Hamburger vom Erscheinungsbild ihrer Stadt. Doch stimmt es eigentlich? Ist Hamburg die schönste Stadt der Welt? Diese Frage habe ich mir schon häufiger gestellt. Beim Versuch, eine Antwort zu finden, bin ich immer auch auf die Frage gestoßen: Was macht eine Stadt zur schönsten der Welt?

    Seitdem ich im Herbst 2010 für mein Studium nach Hamburg gezogen bin, fühle ich mich in der Stadt zu Hause. Und immer, wenn ich in den vergangenen viereinhalb Jahren für einige Monate woanders lebte – ich war jeweils für einige Monate in Lille, Brüssel, Düsseldorf und Berlin, derzeit bin ich sogar im australischen Sydney – habe ich mich immer wieder auf die Rückkehr nach Hamburg gefreut.

    Jeder hat wahrscheinlich andere Aspekte, die eine Stadt für ihn besonders schön erscheinen lassen. Für mich sind das vor allem der erste Eindruck, den man von der Stadt bekommt, das Erscheinungsbild der Innen- bzw. Altstadt und anderer wichtiger Hotspots der Stadt, die Lage am Wasser, Freunde in der Stadt, Sportmöglichkeiten bzw. –Mannschaften, sowie das allgemeine Lebensgefühl, das sich nach einiger Zeit entwickelt.

    Hamburg

    Neben seinem typischen Understatement neigt der gemeine Hamburger auch dazu, allem, was sich südlich der Elbe abspielt, mit einer gewissen Skepsis gegenüber zu treten. Seit ich zum ersten Mal mit dem Zug von Süden kommend über die Elbbrücken in Richtung Hauptbahnhof gefahren bin, kann ich diese Skepsis sogar ein bisschen nachvollziehen, ist doch die Fahrt mit dem Blick auf den Hafen ein unschlagbarer erster Eindruck.

    Das Besondere am Hamburger Hafen ist allerdings, dass er nicht nur aus der Ferne gut aussieht, sondern auch bei genauerer Betrachtung so einiges zu bieten hat. Man setze sich nur einmal in die U3 und fahre vom Rödingsmarkt in Richtung Landungsbrücken, schlendere von dort in Richtung Fischmarkt, um nach einem Abstecher in der Speicherstadt später Livemusik auf dem Feuerschiff zu genießen. Neben den weiteren für Gäste wichtigen Stellen – wie dem Imposanten Rathaus, der Reeperbahn und der Schanze – haben wir in der Serie Lieblingsplätze auf einige Hotpots Hamburgs aufmerksam gemacht.

    Bild: Anna-Lena Ehlers

    Bild: Anna-Lena Ehlers

    Die Lage am Wasser habe ich schon erwähnt, doch mindestens eine Attraktion muss ich ergänzen: Der Strand von Övelgönne lädt sowohl zum Flanieren an der Uferpromenade, als auch zum gemütlichem Verweilen – am besten mit Grill, Sixpack und guten Freunden – ein. Beim Sonnenuntergang wirkt sogar das wuselige Treiben im Containerhafen gegenüber gemütlich.

    Bleiben in Hamburg also noch die Freunde und der Sport, wobei ich mich in der glücklichen Position schätze, in Hamburg beides zu haben. Auf der einen Seite sind mehrere meiner Kommilitonen nach dem Studium in der Stadt geblieben, während gleichzeitig gute Freunde aus Bachelorzeiten den Reizen der Stadt ebenfalls nicht wiederstehen konnten und in den Norden gezogen sind. And last but not least: Inga!

    Bei den Sportmöglichkeiten geht es mir ähnlich wie bei den Lieblingsplätzen: Es gibt einfach zu viele Möglichkeiten, um hier alle aufzuzählen. So habe ich in der Hansestadt sowohl meinen ersten Triathlon, als auch Marathon durchgezogen. Ich war das erste Mal bei einem Fußball Bundesligaspiel und es gibt mit den Hamburg Towers endlich eine Profi-Basketballmannschaft in der Stadt. Diese Liste ließe sich unendlich weiter fortführen.

    Düsseldorf

    Kommen wir nun zu der Stadt, um die ich all die Jahre einen großen Bogen gemacht habe, obwohl ich geographisch gesehen ganz in der Nähe aufgewachsen bin: Düsseldorf. So waren die Sommermonate 2014 tatsächlich meine ersten Eindrücke, die ich von der Stadt bekommen habe. Auch hier fährt man (von Norden kommend) mit dem Zug über eine Brücke in die Stadt, in diesem Fall führt es einen über den Rhein. Doch anders als auf dem Weg nach Hamburg war ich dieses Mal eher schockiert über den Anblick, der mir geboten wurde. Überall wie Streichhölzer abgeknickte Bäume, in der Stadt geschlossene Parkanlagen und zerstörte Autos an den Straßenrändern. Die Auswirkungen des Sturmes am Pfingstwochenende waren noch mehr als deutlich zu sehen.

    Bild: Ingo Henning

    Bild: Ingo Henning

    Dieser erste Eindruck musste erst einmal wieder wettgemacht werden. Doch ich wurde ihn nicht los, so dass die Stadt trotz eigentlich guter Voraussetzungen nicht mit Hamburg mithalten kann. So wirkt die Königsallee auf mich, als zehre sie vom Glanz alter Zeiten. Verglichen mit dem Düsseldorfer Medienhafen kann man in der Hamburger Hafencity wenigsten einen Kaffee trinken oder sogar Basketball spielen. Wie Hamburg liegt auch Düsseldorf am Wasser und tritt mit mehreren Stränden, den Rheinterrassen und dem Rheinpark Golzheim mit seiner tollen Sicht über den Rhein auf die Stadt gegen Hamburg an. Das Düsseldorfer Gesamtpaket inklusive Bolkerstaße muss sich vor Hamburg und der Reeperbahn nicht verstecken, wenn man die Anzahl der Junggesellenabschiede als Maßstab nimmt. Und dennoch, bleibt Hamburg vorne.

    Während ich wie erwähnt zuvor noch nie für längere Zeit in Düsseldorf war, hat es zwei gute Freunde aus Schulzeiten in die Landeshauptstadt von NRW verschlagen. Wahrscheinlich kann jeder, der schon einmal in eine neue Stadt gezogen ist, nachvollziehen, wie viel alte Freunde wert sind, um sich schnell zurecht zu finden. Doch trotz dieser Unterstützung, sowie des beinahe täglichen Freeletics Trainings mit den Jungs und Mädels von der lokalen Gruppe, habe ich mich in Düsseldorf nie so heimisch wie in Hamburg gefühlt.

    Berlin

    Bleibt also noch Berlin, die Stadt, die ich seit Jahr und Tag regelmäßig besuche, kommt doch eine Hälfte meiner Familie von dort. Als Besucher fand ich die Stadt immer klasse, doch kann man da tatsächlich auch wohnen? Ja, man kann! An meinen ersten Eindruck von Berlin kann ich mich nicht mehr erinnern, doch ist auch heute noch jede Fahrt in die Hauptstadt etwas Besonderes.

    Berlin ist eine Stadt mit extrem unterschiedlichen Kiezen, wodurch sich einem natürlich mindestens ebenso viele Möglichkeiten ergeben. Ob nun eine Tour durch Mitte mit all seinen historisch und politisch bedeutsamen Gebäuden und Plätzen (Wusstet ihr, dass der Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor im 19. Jahrhundert seinen Namen bekommen hat, um die zu Franzosen ärgern?) oder entlang der Mauerroute, gemütliche Barbesuche auf dem Prenzlauer Berg oder längere Abende in Friedrichshain, Whiskytasting bei Heart of the run oder zu Spielen der Basketballer von Alba Berlin gehen – es wird einem nicht langweilig.

    Bild: Inga Zimmermann

    Bild: Inga Zimmermann

    Auch Freunde habe ich, wie wohl fast jeder Deutsche, in Berlin. Bleibt noch die Lage am Wasser: Auch durch Berlin schlängelt sich ein Fluss, hier ist es die Spree. Doch obwohl die Spree prominent gelegen ist, tritt sie doch an vielen Stellen eher in den Hintergrund und muss anderen Attraktionen der Vortritt lassen. Wo in Hamburg sowohl die Alster als auch die Elbe und in Düsseldorf der Rhein das Stadtbild stark prägen und den Flair der Stadt ausmachen, schlängelt sich die Spree meines Empfindens nach eher dezent durch Berlin.

    Fazit

    Ist also jede Fahrt über die Elbbrücken eine Fahrt in die schönste Stadt der Welt? Den Titel der schönsten Stadt Deutschlands vergebe ich anhand meiner bisherigen Erfahrungen tatsächlich an Hamburg, auch wenn das Ergebnis gegenüber Berlin für mich doch recht knapp ausfällt. Bei den meisten Punkten liegen Hamburg und Berlin für mich gleichauf, doch die das Stadtbild bestimmende Binnen- und Außenalster mit all ihren Zuläufen ist für mich ausschlaggebend, den die Hansestadt zu bevorzugen. Fairerweise muss natürlich gesagt werden, dass bei dem Vergleich von gerade einmal drei Städten die ein oder andere schöne Stadt nicht beachtet werden konnte. Doch verdient Hamburg tatsächlich auch den Titel der schönsten Stadt der Welt? Darauf werde ich beim nächsten Mal eingehen, wenn ich internationale Städte heranziehe. Vorab aber schon einmal so viel: Einfacher wird es nicht!

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    Über

    Ingo kam erstmals 2010 zum Studium in unsere Stadt und antwortet mittlerweile auf die Frage, woher er komme, mit “Hamburg”. Durch seinen Job ist er momentan allerdings selten in Hamburg, wodurch er aber einen Blick “von außen” auf die Ereignisse bekommt. Seine Interessen an Politik und Sport finden sich auch in seinen Artikeln auf Elbmelancholie wieder.

    1 Kommentar

    1. Der Kommentar zu Düsseldorf ist vollkommen subjektiv geschrieben. Wenn man eine Stadt voreingenommen besucht, kann sie nicht gefallen. Der Orkan Ela hat wirklich einen großen Anteil der Bäume in Düsseelorf zerstört, wofür die Stadt allerdings nichts kann und diesen Zwischenfall mittlerweile gut ausgebügelt hat. Die Kö trauert keinem alten Glanz hinterher, sonder ist erfolgreicher denn je. Sie ist mittlerweile die meistbesuchte Einkaufsstraße Deutschlands und es ziehen ständig neue Luxuslabels hinzu. Und zum Medienhafen muss man sagen, dass dieser eher von Trend-Restaurants geprägt ist. Dort eröffnen die ganzen neuen und szenigen Restaurants usw für die man viel bezahlt. Cafés gibt es zudem aber auch, zB in den Gehry Bauten direkt am „Hafenufer“. Abschließend möchte ich nocheinmal betonen, wie unsachlich dieser Artikel geschrieben ist.

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