Don´t wake Daddy IX mit den Grotesken des Alltäglichen

Bild: (c) Moki
Kunst und Kultur

„Die Ruhe oder Erregtheit unseres Gemütes hängen nicht so sehr von großen Ereignissen unseres Lebens ab als von einer angenehmen oder unangenehmen Gruppierung der geringfügigsten Dinge, die uns alle Tage begegnen.“
François de La Rochefoucauld

Ende November gibt es noch einmal zwei lohnenswerte Gruppenausstellungen in Hamburg zu sehen: „Grotesken des Alltäglichen“ und „Don´t wake Daddy IX„.

Den Start macht Grotesken des Alltäglichen. Vom 27.11. bis 06.12. könnt ihr in der Galerie Speckstraße im Gängeviertel Malereien, Skulpturen, Foto-Collagen und Videos von Nino Svireli, Jens RauschMaaike Dirkx und Boje Arndt Kiesiel sehen.

In der Ausstellung bieten die vier Künstler Antworten auf die Fragen, „warum z.B. die alltägliche Cornflakespackung nicht nur für Kinder so verführerisch sein kann, warum Plastik- Umverpackung ein Spiegelbild unserer Zeit darstellen und warum in jedem absurd- groteskem Dialog auch immer der Moment der Poesie verborgen liegt.“ (Quelle: Gängeviertel)

Ich habe den Künstler Boje Arndt Kiesiel gefragt, wie er sich der Thematik der Ausstellung genähert hat. Er sagt, er sehe sich ziemlich oft mit fragwürdigen Alltagserlebnissen konfrontiert, was ihm oft schwer falle, auszublenden und noch schwerer, zu ändern. „Konsumgewohnheiten zum Beispiel beschäftigen mich seit meiner Jugend“, verrät Kiesiel. Und weiter: „Seit ich mich verstärkt der Kunst widme, habe ich ebenso verstärkt meine Antennen ausgefahren und mich empfänglich gemacht für das, was mich umgibt. Ich sammle diese Eindrücke und verwerte diese und das fließt dann in meine Arbeit im Atelier ein.“

Den Alltag als Bürger in der westlichen Industriewelt beschreibt der Künstler als „grotesk“, wenn er die Zeitung lese und sich bewusst mache, „was zu den zahlreichen und vermeintlich weit entfernten Krisen geführt hat und in was für einer Blase wir hier Konsum und Kapitalismus leben, als wäre es uns von Gott gegeben.“ So etwas beschäftige ihn, wenn er im Atelier sei und meine Kunst mache. Kiesiel: „Manchmal kommt etwas Ernsthaftes, Knallhartes zustande und manchmal etwas Kleines, Humorvolles oder Poetisches.“ Er stelle generell unterschiedliche Sachen zusammen aus: „Welche, die es mehr auf den Punkt bringen und welche, die sehr frei oder lose dem jeweiligen Thema zuzuordnen sind und den Betrachtern Platz für eigene Assoziationen lassen“, wie Kiesiel es beschreibt.

Die vier künstlerischen Positionen bewegen sich bei der Beantwortung dieser Fragen zwischen einer Ästhetik des Absonderlichen, der Verführungen des täglichen Konsumgutes und anderen Absurditäten des täglichen Lebens.

Die Vernissage findet am 27.11. ab 19 Uhr statt, danach könnt ihr von Donnerstags bis Sonntags von 17 bis 20 Uhr in die Ausstellung gehen.

Zwei Tage darauf, am 29.11.2014, eröffnet „Don`t wake Daddy IX“, kurz DWD, bei Feinkunst Krüger. Die internationale Gruppenausstellung findet bereits zum neunten Mal in der Galerie statt.

Der Name „Don´t wake Daddy“ assoziierte ich direkt mit dem Brettspiel. Auf die Frage, wie der Name entstanden sein, erklärte Kurator Heiko Müller: „Der Name DWD ist in einem Brainstorming entstanden. Ich habe damals für ihn gestimmt, weil ich ihn sehr schön assoziativ finde. Was ist das für ein Daddy? Was passiert, wenn man ihn weckt? An wen geht die Warnung? Wenn man die DWD Bilder betrachtet, findet man immer relativ viele, zu denen der Name gut passt. Auf manchen Bildern schläft Daddy tatsächlich noch, auf anderen wurde er bereits geweckt. Oder man sieht den, der ihn geweckt hat.“ 

Als Künstler an der Gruppenausstellung beteiligt sind: Alex Diamond, Allison Sommers, Anthony Pontius, Bene Rohlmann, Boje Arndt Kiesiel, Brendan Danielsson, Brendan Monroe, Charlie Immer, Chris Buzelli, Craig LaRotonda, Dan Barry, Elmar Lause, Femke Hiemstra, Fred Stonehouse, Gregory Hergert, Heiko Müller, Jon MacNair, Lars Hinrichs, Marco Wagner, Marcus Schäfer, Mark Elliott, Moki, Paul Chatem, Rayk Amelang, Roman Klonek, Ryan Heshka, Scott D. Wilson, Sean LewisSusanne König.

Die bei Feinkunst Krüger teilnehmenden Künstler bewegen sich in den Medien Malerei, Zeichnung und Skulptur. In der Ausstellung sind zum Teil alte Bekannte, aber auch einige Neuzugänge dabei. Gemein ist aber allen, dass sie mittlerweile etabliert sind und einige, wie zum Beispiel Femke Hiemstra, Fred Stonehouse oder Heiko Müller, zu den Stars in ihrem Bereich zählen.

Boje Arndt Kiesiel ist auch bei dieser Ausstellung dabei. Er denkt, dass die Werke einen „unkomplizierten Zugang zur Kunst“ bieten. „Man braucht dafür weder Kunstgeschichte studiert zu haben noch muss man sich im Einzelnen unbedingt mit dem Künstlern beschäftigen, um die Arbeiten zu verstehen. Betrachten und zack! Entweder man mag es oder eben nicht.“ Er selbst liebe die teils derbe und ironische Art, „wie mit der überzuckerten Oberfläche der Gesellschaft gespielt und dabei die „dunkle Seite“ nach außen gekehrt wird.“ Dass neben grotesken Motiven oft auch große Themen unverkopft in Bildsprache ausgedrückt würden, ohne dass das in den Mittelpunkt gerückt werde, mache das Ganze für ihn persönlich noch wertvoller.“

Die Ausstellung läuft vom 30.11. bis 20.12, die Vernissage findet am Samstag, den 29.11.2014 ab 20 Uhr statt. Für mich sind viele der Künstler neu und auch die Lokalitäten kenne ich noch nicht. Daher bin ich bin sehr gespannt, was mich erwarten wird. Eines ist bei dieser Ausstellung jedoch sicher: Daddy wird unheimlich und böse sein, wenn er aufwacht.

Ach, bevor ich es vergesse noch mein Last Minute Ausstellungstipp: Bis zum 29.11. könnt ihr noch die Flying Förtress „I will spray for good“-Ausstellung in de affenfaust Galerie bewundern. Lohnt!

Mein besonderer Dank gilt Boje Arndt Kiesiel, der mir meine Fragen so ausführlich beantwortet und mir die Bilder für die Ausstellungen zur Verfügung gestellt hat.

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Über

Hat sich 2007 in Hamburg verliebt, als sie für das Filmfest Hamburg während ihres Medienökonomie-Studiums gearbeitet hat. Seit 2011 lebt Janka nun in Hamburg und arbeitet als IT Project Managerin Twitter: @JankaBeee - sterndesnordens.de Stellvertretende Redaktionsleiterin von Elbmelancholie

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