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Olympiabewerbung: Motor oder Hemmnis für den Sport in Hamburg?

Bild: Andreas Grieß
Debatte, Olympia in Hamburg

    „Olympische Spiele – Dabei sein ist alles?“ – zu diesem Thema diskutierten am Dienstagabend im Rathaus Thomas Metelmann von der Deutschen Olympischen Gesellschaft, sowie Jürgen Mantell, Präsident des Hamburger Sportbundes als Olympia-Befürworter und Nicole Vrenegor vom Blog [N]Olympia Hamburg als klare Gegnerin Olympischer Spiele in Hamburg. Ebenfalls mit debattierten der IOC-kritische Sportjournalist Roger Repplinger und Mehmet Yildiz von der Bürgerschaftsfraktion der Linken, der einer Austragung der Spiele in Hamburg ebenfalls kritisch gegenüber steht. Seine Fraktion hatte zu der öffentlichen Veranstaltung eingeladen. Rund 100 Leute folgten der Einladung in den Kaisersaal.

    Bereits früh ging es um das beherrschende Thema Geld. Jürgen Mantell sieht den Sport in Hamburg zwar auf einem guten Weg, betont aber, dass mehr Geld für die Förderung nötig sei. So seien viele Sportstätten zu sanieren, ein Sachverhalt, der auch von Gästen aus dem Publikum bildhaft bestätigt wurde. Spiele als ein Leuchturmprojekt könnten helfen, schneller bessere Sportstätten zu erhalten, so Mantell, da sie den Sport auf eine andere Bühne heben. Olympia-Gegnerin Nicole Vrenegor entgegnete, dass dafür keine Großprojekte nötig seien. Auch Mehmet Yildiz meint, Förderung sei auch oder gar besser ohne Olympische Spiele möglich.

    Mantell ergänzte zudem, dass hinsichtlich der Kosten einiges durcheinander geworfen werde. So sei zwischen den Durchführungskosten und den Kosten für die Infrastruktur zu unterscheiden. Letztere können, wenn gut geplant werde, nicht den Spielen zugerechnet werden. Der U- oder S-Bahn-Ausbau werde wohl ohnehin zu den Maßnahmen der Stadtplanung gehören und nur vorgezogen. Uneinig waren sich die Diskutanten darin, inwiefern bei einer Olympiabewerbung Hamburg die Sportstätten im Nachhinein sinnvoll nutzen könne und ob wirklich bestehende Sportstätten verwendet werden könnten.

    Blankoschein für die Olympiabewerbung Hamburg?

    Auch im Publikum war die Meinung gespalten. So meldeten sich sowohl Personen zu Wort, die die hohen Kosten kritisierten, als auch welche, die auf Positivbeispiele der Vergangenheit verwiesen. Tendenziell ließ sich beobachten, dass eher jüngere, sporttreibende Personen aus dem Publikum für die Bewerbung argumentierten, während ältere Gäste sich kritisch äußerten, was freilich nicht repräsentativ sein muss.

    Auch das Thema Bürgerbeteiligung wurde lang diskutiert, wenngleich auch hier stets schnell wieder die Sprache auf Geld kam. Nicole Vrenegor kritisierte, dass eine Volksabstimmung im kommenden Frühjahr womöglich zu früh sei. Zu diesem Zeitpunkt gäbe es nur vorläufige Bewerbungspläne. Viel interessanter sei, was später mit den IOC final ausgemacht werde. Daher nannte die Kritikerin es auch einen „Blankoschein“, den die Hamburger nur ausstellen könnten. Roger Repplinger betonte zudem, der Einfluss der gastgebenden Stadt sei ohnehin sehr gering. Das IOC werde den Großteil vorgeben. Einigkeit herrschte darüber, dass Verträge zwischen Hamburg und dem IOC, so sie denn zustande kommen, offen gelegt werden sollten.

    Ein Gast erwähnte, dass die Perspektive der Sportler in der Diskussion zu kurz komme und es sinnvoll sei, dass ein Leistungssportler mitdiskutierte. Ebenfalls kaum diskutiert wurde die internationale Konkurrenz, in die sich Hamburg begeben würde: Welche Verantwortung will Hamburg übernehmen oder will es lieber zuschauen, wenn Olympia in totalitären Staaten stattfindet? Dieses Thema schnitt ein im Publikum befindlicher Vertreter der Handelskammer nur kurz an. Diese und andere Aspekte einer Hamburger Olympiabewerbung sollen jedoch noch aufgegriffen werden, wie der Linken-Politiker Mehmet Yildiz betonte. Die Veranstaltung am Dienstag bilde nur den Auftakt, weitere würden folgen. Klar ist: Das Thema Olympia in Hamburg wird noch eine Menge Diskussionen erzeugen – im und außerhalb des Rathauses.

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    Über

    Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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    1. Pingback: Wochenrückblick: Hamburg will Olympia und der HVV mehr Geld

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