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Zeise-Parkplatz: Kritiker organisieren sich in Bürger-Initiative, Finanzbehörde: „Wird nichts ändern“

Bild: Andreas Grieß
Debatte

    Es gibt Neues in Sachen Zeise-Parkplatz. Im Streit um das Gelände, auf dem derzeit noch friedlich Autos parken, auf Plakate geklebte Flugblätter jedoch von der politischen Auseinandersetzung zeugen, hat sich nun eine Bürger-Initiative gegründet. Sie nennt sich „Pro Wohnen Ottensen“ und fordert, dass die ursprünglichen Pläne für das Gelände zwischen Behringstraße und Friedensallee umgesetzt werden.

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    Auf dem Zeise-Parkplatz in Ottensen soll gebaut werden. Zunächst angekündigt waren Wohnungen, darunter auch viele Sozialwohnungen. Stattdessen will die Procom Invest GmbH, der das städtische Grundstück in Aussicht gestellt wurde, nun jedoch gemeinsam mit einem weiteren Unternehmen einen Bürokomplex bauen, in dem sich die britische Werbefirma WPP niederlassen möchte. Die Politik hat auf oberster Ebene das okay gegeben, ist zur Kehrtwende bereit. Pikant: Offenbar sollten die Pläne möglichst lang geheim bleiben. Bei vielen Menschen in Ottensen führte dies zu Widerspruch. Sie starteten eine Online-Petition, in der gefordert wird, die Bürobebauung zu verhindern.

    Die Bürger-Initiative geht zum Teil auf die gleichen Personen zurück, die bereits die Online-Petition zum sogenannten Quartier „Zeise 2″gestartet haben. Die Resonanz von rund 1.800 Unterzeichnern mitten in der Ferienzeit habe Anwohner und Gewerbetreibende aus Ottensen ermutigt, den Widerstand gegen die Pläne in einer Bürger-Initiative zu bündeln, schrieb diese am Dienstag. Die Initiative richte sich nicht gegen Menschen, die in der Werbung arbeiten. Kritisiert werde „die Stadtplanung im Hinterzimmer nach Gutsherrenart, die an den Menschen und Bedürfnissen des Stadtteils vorbei geht und den Frieden im Quartier zerstört“.

    Am Dienstag benannte „Pro Wohnen Ottensen“ als Protest symbolisch die Friedensallee, an der der Zeise-Parkplatz liegt, um. Sie strichen das Wort „Frieden“ am Straßenschild durch und brachten darunter ein neues mit der Beschriftung „Scholz & Friendsallee“ an – eine Anspielung auf die Agentur „Scholz & Friends“, die zu WPP gehört. Das Schild hängt mittlerweile jedoch schon nicht mehr.

    Die Unterzeichnerliste der Petition gab die neue Bürger-Initiative beim Finanzsenator ab. Zudem verfasste sie einen Offenen Brief, der unter anderem an die Mitglieder der Kommission für Bodenordnung adressiert ist, die den Verkauf des Grundstücks bestätigen muss. Im Offenen Brief heißt es: „Wir sind froh, dass der Senat dafür gesorgt hat, dass wieder deutlich mehr Wohnungen in Hamburg gebaut werden. Es ist auch richtig, dass an anderer Stelle im Bezirk Altona viele Wohnungen entstehen. Aber eine komplette Planung von (sozial geförderten) Wohnungen erst zu beschließen und zu verkünden, aber die Pläne kurz darauf wieder über den Haufen zu werfen, wirft ein schlechtes Licht auf die Verantwortlichen.“ Die Initiative verweist auf die ermöglichte Bürgerbeteiligung in den Fällen Esso-Häuser und Neue Mitte Altona. Zudem sei die Ansiedlung von WPP eine „Farce“ und kein „Coup“, da lediglich bisherige Standorte zusammengelegt würden und somit keine neuen Arbeitsplätze entstünden.

    Ob der nun besser organisierte Protest Erfolg haben wird, muss sich zeigen. Dem Vernehmen nach sympathisieren auch einige Politiker der Bezirkspolitik mit den Kritikern, da sich diese „von oben“ übergangen fühlen. Die Initiatoren von „Pro Wohnen Ottensen“ sagen: „Jetzt haben der Finanzsenator, der ihm unterstellte Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) oder später die Mitglieder der Kommission für Bodenordnung es in der Hand, zu verhindern, dass eine Fehlplanung auf Kosten der Ottenser Bürger Realität wird.“ Doch die Zeichen stehen eher schlecht. Das Abendblatt zitiert Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde, folgendermaßen: „Wir haben diese Petition bekommen und zur Kenntnis genommen.“ Und weiter: „Doch diese wird an den Plänen zur Bebauung des Areal nichts ändern.“

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    Über

    Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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