Tauschen & Teilen: Second Hand in Hamburg

Bild: Rabea Ganz
Stadtgefühl

Nicht immer ist alles was glänzt, auch neu. So findet man die Schätze mit wirklich individuellem Wert häufig zufällig und oft bereits gebraucht. Auch wenn in Hamburg die Retro-Schiene boomt und zu häufig unverschämten Höchstpreisen angeboten wird, lassen sich an manchen Orten noch echte Schnäppchen schlagen.

So geht Second Hand auch

Tauschbox in Altona
Mittlerweile etwas schräg steht die gezimmert Box am Rand der Straße. Der Vorhang flattert im Wind. Die Spitze eines Regenschirms lugt hervor – die Tauschbox in Altona. Für mich ein Relikt der paulianischen Errungenschaften, denn auch am Paulinenplatz stand ein solches Objekt, bis es abgefackelt, wieder aufgebaut, erneut abgebrannt und wieder errichtet wurde. Das klassische Prinzip: gute Dinge hineinlegen, neue Objekte mitnehmen. Hier zu finden: Chemnitzstraße, Ecke Virchowstraße und am Paulinenplatz, St. Pauli (falls nicht just in Flammen aufgegangen).

Umsonst-Kisten
Geben, wenn man es nicht mehr braucht – nehmen, wenn man es benötigt. Quasi einer der ursprünglichsten Grundgedanken des Sozialwesens auf einfachste Art interpretiert: Eine Kiste im Hausflur, eine Box beim Einzelhändler oder ein Regal im öffentlichen Park. Gefüllt mit Dingen, die zu schade zum Wegschmeißen sind und einen anderen Menschen noch erfreuen können.

Kleidung

Kleidermarkt: Second Hand im Vintage Stil
50er, 60er bis 80er – je älter, je doller. Im Kleidermarkt an der Max-Brauer-Allee lassen sich auf 1500 Quadratmeter alte Schätzchen und ulkiger Zwirn entdecken: Kleider mit Schulterpolstern, bodenlanges Hippie-Kleid und liebenswerte Ledertaschen. Die Preise sind nicht immer günstig, aber die Auswahl reichlich. Mittwochs zwischen 10 und 16 Uhr bietet der Kleidermarkt Happy Hours an, in denen alle Produkte 30 Prozent weniger kosten. 

Humana Second Hand
Günstige Second Hand Kleidung bekommt man unter anderen in Altona bei Humana. Auf bunten Kleiderständern drängen sich Kleider, Röcke und Hosen aneinander und warten auf freudige Träger. Das Konzept laut Website: „Bei Humana finden Sie First-Class-Second-Hand-Qualität zu kleinen Preisen. Außerdem werden Ressourcen geschont, indem vorhandene Waren weitergenutzt werden – Sie helfen dabei ganz nebenbei der Umwelt.“

Flausch-Tausch-Rausch
Wer kennt sie nicht? Die Kleiderstücke, die man einst kaufte, weil man sie hübsch fand – dann aber zum Platzhalter im Kleiderschrank avancieren. Klamotten, die wenig getragen oder gut erhalten sind, eignen sich wunderbar für eine Kleider-Tausch-Party, auch bekannt als Kleider-Tausch-Rausch, Flausch-Tausch-Rausch oder Swap-Party. Schnell organisiert werden können die Partys im privaten Rahmen mit Freunden und Bekannten. Seit dem letzten Jahr jedoch findet im Altonaer „Lokal“ etwa alle drei Monate der Lokal Swap statt – einer öffentlichen Kleider-Tausch-Party mit Elektro-Beatz.

Weitere Second Hand Kleiderläden in Hamburg:

Möbel

Stilbruch
Wo landen die noch guten Möbel, die vom städtischen Sperrmüll-Team auf Termin abgeholt werden? Zum Teil im Second Hand Möbelladen „Stilbruch“. Zwei Filialen (Altona-Nord und Wandsbek) laden zum Stöbern zwischen Golfschlägern, Büchern, Kochpötten, Lampen und Bettgestellen ein. Perfekt für den kleinen Geldbeutel, denn die Preise sind unschlagbar günstig: ein Zweisitzer-Sofa für 50 Euro, ein Sessel für 30 Euro, ein komplettes Tee-Service für 15 Euro und ein Trinkglas für 50 Cent.

Möbelhilfe Süderelbe e.V.
Die Möbelhilfe Süderelbe bietet Menschen mit geringem Einkommen eine weitere Möglichkeit, Gebrauchtmöbel kostengünstig zu kaufen. Die Möbelspenden werden vom Verein gegen eine geringe Entsorgungsgebühr aus der eigenen Wohnung abgeholt und gegebenen Falls abgebaut. Im 2000 Quadratmeter großen Lager werde die Möbel wenn nötig repariert und zum Kauf angeboten. „Wir dürfen unsere Möbel nur an hilfebedürftige Menschen i.S.d. §§ 51 ff 51 AO verkaufen. Ihr Einkommen darf daher nicht mehr als das 3-fache des Regelsatzes überschreiten. Vom Finanzamt sind wir verpflichtet in jedem Fall Ihre Berechtigung zu prüfen.“, betont die Möbelhilfe.

Wo ist eigentlich der Hamburger Sperrmüll geblieben?
Einst tummelten sich auch am Rande der Hamburger Straßen regelmäßig dreibeinige Stühle, ausrangierte Tische und allein gelassene Schränke. Was früher regelmäßig stattfand, das Massen-Event für Secondhand Fans, ist heute in diesem Ausmaß in Hamburg nicht mehr üblich. Doch wo ist er geblieben, der Sperrmüll?
Er wurde 1983 schlicht abgeschafft. Nachdem er bis 1975 noch regelmäßig monatlich abgeholt wurde, folgte bis zur Einstellung des Sperrmülls nur eine Abholung im Quartal. Heute wird er durch einen privat terminierten Abholservice ersetzt. Wer eine schnellere Alternative der Entsorgung sucht, bringt seine ausrangierten Möbel direkt zum Recylinghof.

Bücher

Bücherregale im Bus
Rund 100 Busse cruisen mit einem roten Bücherregal durch Hamburg – eine öffentlichen Tauschbörse für gelesene Bücher und deftige Schinken. Beliefert werden die Bücherregale vom Second Hand Möbelladen Stilbruch, der die Regale regelmäßig aufforstet. Mir selbst sind die Regale erst zweimal begegnet – und sie waren meist eher leer, als gut bestückt. Ein Zeichen für die Lesewütigkeit der Hamburger oder für ein Einstellen des Systems? Ich finde die Idee jedenfalls gut.

„Freie Bücher“
Ein Buch auf freie Fuß setzten? Einfach aus dem Bücherregal schmeißen und auf einer Hecke auslegen? Bücher mit der ganzen Welt teilen? Nicht unvorstellbar, wenn man die Internetseite bookcrossers.de kennt. Schritt 1: Bücher ausmisten. Schritt 2: Die Bücher bei BookCrossing registrieren. Schritt 3: Die Registriernummer des Buches auf dem Cover oder der ersten Seite vermerken. Schritt 4: Die Bücher an beliebigen Orten auslegen. Geeignet ist zum Beispiel eine Parkbank, die S-Bahn, eine Hotel-Lobby oder gar der Bio-Händler. Der Finder kann das Buch lesen, bei BookCrossing nachschauen, wo es überall war und die eigenen Station eintragen. Anschließend gibt er das Buch wieder frei und wünscht: „Gute Reise!“

Food

Food Sharing
Es ist Sonntag und du hast vergessen dir dein Frühstücksei zu kaufen? Natürlich könntest du jetzt zum Hamburger Hauptbahnhof fahren und dir dort Eier kaufen. Eine andere Möglichkeit bietet das Portal foodsharing.de. Einfach Portal aufrufen und nachsehen, wer deiner Nachbarn möglicherweise ein Ei übrig hätte. In einer immer anonymer werdenden Gesellschaft ist ein solches Portal eine gute Möglichkeit, die Menschen in seinem direkten Umfeld (einst grüßende Nachbarn) kennen zu lernen. Die Idee ist hervorragend, doch bei der Umsetzung hapert es leider noch. Zu wenig Personen wissen um diese Möglichkeit, sodass in Hamburg derzeit recht wenig Lebensmittel angeboten werden. Doch mit deinen überschüssigen Lebensmitteln wächst das Portal! Alternativen zur Seite bieten diverse Social Media Gruppen. (Und wer sich’s traut, klingelt direkt beim Nachbarn und fragt persönlich nach einem Ei.)

Regelmäßige Flohmärkte

Schlendern, feilschen, Schnäppchen finden:

  • Flohschanze Termin: jeden Samstag von 9 bis 16 Uhr bei den Alten Rinderschlachthallen
  • Flohdom an der Horner Rennbahn Termin: jeden Samstag von 7 bis 15 Uhr
  • Flohmarkt an der Bahrenfelder Trabrennbahn Termine: jeden Samstag von 7 bis 15 Uhr und mittwochs von 10 bis 15 Uhr
  • Flohmarkt im Hof des Goldbekhauses Termine: Sa, 16. August 2014; So, 7. September 2014; Sa, 20. September 2014 jeweils von 10 bis 16 Uhr
  • Flohmarkt auf dem Spielbudenplatz Zweimal jährlich (Mai/ September). Nächster Termin: 14.09.2014
  • Flohmarkt in der Turmstraße Zweimal jährlich. Nächster Termin: 13.09.2014

Wie immer gilt: Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ergänzungen könnt ihr gerne in den Kommentaren hinterlassen.

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Über

Rabea ist Ökotrophologin, freie Journalistin und Bloggerin. Sie lebt auf St. Pauli und schreibt über Hamburg, Food, Kultur und Ansichten.

3 Kommentare

  1. Läden wie Humana und Rotes Kreuz sollte man schon etwas kritisch sehen und die Frage ist auch immer, wohin geht das, was nicht verkauft wird. Nicht selten letztlich auch an die Kleidersammler, die damit die Märkte in Afrika kaputt machen.
    Mit der schönste Flohmarkt ist für mich der am Else-Rauch-Platz, Immenhof, Haus Drei und Fabrik. Auch der am Museum der Arbeit ist immer sehr schön und auch wir in Wilhelmsburg starten mit dem FlohZinn gerade richtig durch.

  2. Für Menschen mit wenig Geld gibt es noch die Läden von Spendabel, mittlerweile überall im Stadtgebiet. Klamotten, Möbel, Bücher, Kinderbedarf und für Bücher ist die Rathauspassage eine gute Fundgrube. Da gibt es übrigens auch noch einen Second-Hand Laden.

  3. Pingback: Tauschen & Teilen: Second Hand in Hamburg | Mädchen für alle Fälle

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