Pride_Flagge

Pride Week in Hamburg – mehr als ein rosa Karneval

Bild: Esther Gückel
Debatte, Swutsch

    Heute Abend fällt der Startschuss zur diesjährigen „queeren“ Pride Week, die am 2. August im großen Straßenfest des Christopher-Street-Days gipfelt. Die Pride Night im bekannten Mojo-Club auf der Reeperbahn gilt als offizielle Eröffnungsfeier der Pride Week und bietet neben zahlreichen prominenten Gästen, Filmen und künstlerischen Acts auch die alljährliche Verleihung des Pride Awards. Hierbei werden Menschen, die sich in der Schwul-Lesbischen-Community besonders verdient gemacht haben, für ihr Engagement ausgezeichnet. Unter den Nominierten in diesem Jahr ist auch Pastor Sieghard Wilm, der über die Stadtgrenzen hinaus Bekanntschaft erlangte, als er die so genannten Lampedusa-Flüchtlinge in seiner Kirche auf St. Pauli aufgenommen hat. Interessierte können sich darüber hinaus bei einer „queeren“ Stadtführung durch Hamburgs angesagte Feiermeile St. Pauli führen lassen und spannende Einblicke in die schwul-lesbische Geschichte des Viertels gewinnen.

    Mit einer gemeinsamen Radtour, BBQ oder aber einer Rathausführung hat der Verein Hamburg Pride e.V. ein unterhaltsames und zugleich informatives und aufklärendes Programm auf die Beine gestellt. Am Sonntag sind beispielsweise alle Motorradfans eingeladen, beim 3. Hamburger Pride Ride mit zu fahren. Am Mittwoch wird die Regenbogenflagge von der Gleichstellungssenatorin Jana Schiedek und den Fachsprechern der Bürgerschaftsfraktionen am Hamburger Rathaus gehisst und auch das US-amerikanische Generalkonsulat bekennt Farbe, in dem es während der gesamten Pride Week in Regenbogenfarben angestrahlt wird.

    Fotograf Paul Schimweg stellt während der Pride Week seine Werke über Regenbogenfamilien aus, die den Alltag von schwulen und lesbischen Eltern in Russland, Tschechien und Deutschland abbilden. Hein & Fiete bietet in Toms Saloon für experimentierfreudige Schwule einen Fetisch-Workshop, bei dem Profis wie Neueinsteiger gleichermaßen willkommen sind. Für die Feierwütigen unter uns gibt es unter anderem auf der Electro Pride die Möglichkeit, ausgelassen abzutanzen. Sie wird am kommenden Freitag im Uebel & Gefährlich stattfinden wird und den Bunker mit Electro Sounds zum Beben bringen.

    Veranstaltungen mit politischen Forderungen verbunden

    Neben all der Freude und der Ausgelassenheit, die der Christopher-Street-Day mit sich bringt, neben der medialen Reduzierung der Paraden auf das Schrille und das Extravagante, gehen die Forderungen der Teilnehmer häufig unter. Mit dem diesjährigen Motto „Grenzenlos stolz statt ausgegrenzt“ fordert Hamburg Pride erneut die rechtliche Gleichstellung der LGBTTQI-Community (Lesbian, gay, bisexual, trans, two-spirited, queer and intersex).

    Neben der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und dem vollen Adoptionsrecht fordert der Hamburg Pride auch eine Stärkung und Einhaltung der Menschenrechte weltweit. Im Jahr 2012 wurden in Sankt Petersburg Gesetze erlassen, die bereits das Reden über Homo- und Transsexualität kriminalisieren. Im Hinblick auf die Partnerschaft Hamburgs mit Sankt Petersburg, fordert Hamburg Pride den Senat auf, bei Gesprächen über einen neuen Städtepartnerschaftsvertrag auf eine Aufhebung dieser Gesetze zu drängen.

    In 78 Ländern weltweit steht Homosexualität unter Strafe – teilweise sogar Todesstrafe. Die Teilnehmer der Pride Week und der Parade des Christopher-Street-Days zeigen sich solidarisch mit den gesellschaftlich Ausgegrenzten und politisch Diskriminierten weltweit und demonstrieren Akzeptanz. Obgleich der CSD gelegentlich als schwuler Karnevalsumzug verhöhnt wird, ist eines sicher: Solange die Unterschiede der Lebensmodelle nicht respektiert und die Vielfalt genossen werden, solange Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert, verfolgt oder sogar getötet werden, geht der Protest weiter!

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    Über

    Die gebürtige Kölnerin und bekennende Globetrotterin hat die letzten fünf Jahre in Hamburg verbracht, bevor sie im Herbst 2014 die Stelle der Online-Redakteurin an der Hochschule Harz angetreten ist. Ihrer Wahlheimat bleibt sie allerdings treu und schreibt weiterhin für verschiedene Online-Portale rund um die Hansestadt.

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