Auf dem Holzweg in den Sherwood Forest

Bild: affenfaust Galerie
Kunst und Kultur

„Ein reicher Herr aus Nottingham, der wollte über den Fluss. Er war nicht schlau, fiel über ein Tau, da war mit der Reise Schluss.“
Robin Hood – König der Diebe

Auf dem Holzweg into the Sherwood Forest. Dort, wo uns Fuchs, Bär und Dachs auflauern, habe ich den vergangenen Samstagabend verbracht: auf der Vernissage des Wahl-Hamburgers Björn Holzweg in der affenfaust Galerie. Für die Ausstellung hat sich die Räumlichkeit in einen kleinen Sherwood Forest verwandelt. Faszinierend, aber auch gemütlich war es zwischen den Birkenstämmen, Skulpturen und Bildern. Man fühlt sich als Besucher entführt in eine andere Welt. Der typische, meistens recht cleane Ausstellungscharakter wird durch die Waldinstallation und dem Stilmix der Kunstwerke gekonnt aufgehoben.

Den Ausstellungskern ergeben die drei Keramiplast-Skulpturen von Fuchs, Bär und Dachs. Das Trio bildet die Grundlage für die die gesamte Ausstellung, welche um diese herum inszeniert wurde. Auf meine Frage hin, warum ausgerechnet drei, entgegnete Björn Holzweg: „Mir war schnell klar, dass es drei sein mussten. Oft haben diese Helden beziehungsweise Antiheldengeschichten drei Protagonisten wie Robin Hood, Bruder Tuck und Little John die einem im Gedächtnis bleiben.

Die nächste Frage, die mir in den Sinn kam, war, warum ausgerechnet diese drei Tiere. Warum nicht auch Hase, Hirsch und Eule? Auch auf die Antwort musste ich nicht lange warten. Für Björn ist der Fuchs mit seinem unzähmbaren Wesen, seiner Schlauheit und Gerissenheit der Anführer. Der Bär als großer, kräftiger Mitstreiter bilde das starke Element des Trios. Und last but not least der kleine Dachs, der Kopf des Waldes, der hinter den Kulissen agiert.

Das besondere an den Tierköpfen: Sie sind bunt bemalt und bestehen aus der einfachen geometrischen Form eines Dreiecks. Kombiniert wird dies mit echt wirkenden Augen. Der Fuchs hat sogar ein Gebiss eingesetzt bekommen. Diese Kombination aus Kunst und Echtheit lässt die Skulpturen besonders „anziehend“ wirken. Die bunte Bemalung lenkt zwar zunächst von den stechenden Augen und der Ungezähmtheit der Sherwoodbewohner ab. Auf den zweiten Blick jedoch wird schnell klar: Nicht die Besucher beobachten die Tiere, sondern jene lauern den Besuchern auf. Björn Holzweg sagt selbst zu seinen handgefertigten Tierköpfen: „Da ich diese Tiere als rebellisches Element sehe, die sich ihren Lebensraum zurückerobern, versuchte ich die Köpfe so herzustellen, dass sie etwas dynamisch ikonenhaftes haben als Sinnbild für deren Revolution. Im Kontext dazu fiel mir der Sherwood Forest ein, in dessen Name diese Attribute mitschwingen, getragen von der Geschichte um Robin Hood.

Jedes der drei Tiere ist zugleich auch Hauptdarsteller in faszinierenden Fotografien, welche der Künstler zusammen mit dem Fotografen Fabian Sommer inszeniert hat. Auf den ersten Blick fragt man sich, was die Fotografien so besonders macht. Man guckt schon eine Weile genauer hin, um sich bewusst zu werden, dass Holzweg die Fluchtpunktperspektive auflöst. Er spielt mit Bewegung und Starre, mit Schärfe und Unschärfe. Es wird eine ganz eigene Art an Tiefe und unwirklicher Räumlichkeit geschaffen, indem Elemente im Vordergrund künstlich verwischt, andere Elemente hingehen nachschärft wurden, obwohl diese sich rein perspektivisch auf der selben Ebene befinden. Holzweg selbst sagt über seine Fotografien: „Die Idee für die Fotos kam bei der Arbeit an den Köpfen. Ich wollte mit den Fotos die Geschichte um die Drei verdichten und den Zuschauer tiefer hineinziehen vor einem realistischen Hintergrund.“ Diese Intention ist ihm vollends gelungen.

Aquarelle im hinteren Raum der Galerie bilden den Abschluss der Präsentation. Sie zeigen die Tiere als das, was sie sind beziehungsweise sein sollten: wild und frei.

Mir hat die Ausstellung sehr gut gefallen. Daher kann ich nur sagen: Rein in den Sherwood Forest und in einem kleinen Wald mitten in St. Pauli Kunst erleben. Die Ausstellung läuft noch bis zum 31.05. Die Midissage findet am 24.05.2014 ab 20 Uhr statt.

Öffnungszeiten affenfaust Galerie:
Mittwoch 17:00 – 21:00 Uhr
Donnerstag 17:00 – 21:00 Uhr
Samstag 14:00 – 18:00 Uhr

Ein Dank an Björn Holzweg für das Beantworten meiner Fragen und an die affenfaust Galerie für das zur Verfügungstellen der Bilder

  • Anzeige


Über

Hat sich 2007 in Hamburg verliebt, als sie für das Filmfest Hamburg während ihres Medienökonomie-Studiums gearbeitet hat. Seit 2011 lebt Janka nun in Hamburg und arbeitet als IT Project Managerin Twitter: @JankaBeee - sterndesnordens.de Stellvertretende Redaktionsleiterin von Elbmelancholie

1 Kommentar

  1. Pingback: Sherwood Forest – Neue Ausstellung in der affenfaust Galerie | Stern des Nordens

Schreibe einen Kommentar


Captcha: Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.