Ganz in weiß rund um das Hafenbecken

Bild: Janina Bolley
Kunst und Kultur

„Kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck,
den er zurückläßt, ist bleibend.“

Johann Wolfgang von Goethe

Am vergangenen Samstag von 17 Uhr bis Mitternacht fand in Hamburg das vierte Weiße Dinner statt. 6.500 Menschen ganz in weiß gekleidet dinierten rund um die Ericusspitze in der Hafen City. Ich war das erste Mal dabei und war in Summe begeistert!

Zugegeben: Ein wenig nervig war das Anschleppen der ganzen Sachen vorab zum Aufbau schon. Tische, Stühle, Geschirr, Deko, Essen, volle Flaschen und das nicht zu knapp. Ohne ein paar starke Männer an der Seite wäre das im wahrsten Sinne des Wortes schwer geworden. Der Abbau um 23:30 Uhr gestaltete sich dann aufgrund der leeren Flaschen wesentlich „leichter“ ;-).

Als wir ankamen wurden wir von Ordern (natürlich auch ganz in weiß gekleidet) an einen noch freien Plätz eingewiesen. Der Boden wurde hierzu vorher mit roter Kreide markiert worden. Wir waren erst um 17:30 Uhr zum Aufbauen dort und damit fast zu spät. In einer sehr großen Gruppe sollte man daher am besten schon um 16:30 Uhr zum Aufbauen dort sein, um zusammensitzen zu können. Die Ordner haben jedoch nicht nur eingewiesen, sondern standen auch so für Fragen zur Verfügung und gingen öfter mal von Tisch zu Tisch, um sich nach dem Wohlbefinden der Anwesenden zu erkundigen. Einzig die beiden schwarz gekleideten Ordner ernteten Buhrufe und das in meinen Augen zu Recht.

Jeder hat seine eigenen Tische inkl. Tischdeko und weißer Tischdecke sowie Essen und Trinken mitgebracht. Teils wurde Livemusik, teils einfach vom (weißen) iPhone Musik gespielt. Die Stimmung was ausgelassen, auch über die Tischgrenzen hinaus wurde sich unterhalten, Essen getauscht und sich zugeprostet. Bei der Oberhafenkantine wurde kurzerhand ein Klavier auf die Straße geschoben, um das Dinner musikalisch zu untermalen. Jedes mal, wenn ein Zug vorbeifuhr, jubelte die Menge und schwenkte weiße Tücher. Die Lokführer grüßten mit dem Signalhorn zurück, manche hielten sogar extra für uns an, bis sogar ein kleiner Zugstau auf den Gleisen entstand.

Am schönsten war es aber dann tatsächlich ab 21 Uhr, als das Dämmerlicht einsetzte und die ersten Kerzen angezündet wurden. Im Dunklen ist bekanntlich nicht nur gut munkeln, Mondschein und Kerzenlicht sorgen auch für romantische Stimmung und Liebe geht ja ohnehin durch den Magen. Um 21:30 Uhr entzündete die Menge die Wunderkerzen und es entstand ein Meer von Lichtern im Hafenbecken.

Wer das Weiße Dinner und seine Historie noch nicht kennt: Die Idee stammt aus Paris. Dort fand das erste Diner en blanc schon 1988 statt, als ein Mann namens Francois Pasquier seine private Gartenparty kurzerhand in den nahegelegenen Bois de Boulogne verlegt haben soll. Das Diner Blanc galt lange als Event der Oberschicht-Event, jedoch ohne kommerzielle Hintergründe und ehrenamtlich organisiert. In Hamburg war von der „Oberschicht“ nur wenig zu merken. Hier war wirklich jeder da, der Lust hatte, dabei zu sein. Das Dinner findet traditionell immer an wechselnden Orten statt. Die Kosten für z.B. Absperrungen und Gebühren finanzieren sich aus den Spenden der Teilnehmer, wie die organisierenden Privatpersonen betonen – das Dinner soll keine kommerzielle Veranstaltung werden.

Für 2014 ist geplant, dass die Stadtteile in Hamburg ihr eigenes weißes Dinner am „Tag des Weißen Dinners“ veranstalten. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die Masse an Teilnehmern mit jedem Jahr stark ansteigt.

Ich hoffe, dass diese schöne Veranstaltung nächstes Jahr noch so in der Art stattfinden kann wie dieses Jahr. Bei noch mehr Zulauf wird es jedoch schwer, noch einen Ort zu finden, bei dem alle Platz finden können. Ob die Aufteilung auf die Stadtteile daher eine gute Idee ist, bleibt abzuwarten. Dazu habe ich noch keine abschließende Meinung.

2014 werde ich bei gutem Wetter auf jeden Fall wieder dabei sein. Und es war interessant zu beobachten, wie nur über eine einheitliche „Farbe“ diese besondere Stimmung aufkam.

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Über

Hat sich 2007 in Hamburg verliebt, als sie für das Filmfest Hamburg während ihres Medienökonomie-Studiums gearbeitet hat. Seit 2011 lebt Janka nun in Hamburg und arbeitet als IT Project Managerin
Twitter: @JankaBeeesterndesnordens.de
Stellvertretende Redaktionsleiterin von Elbmelancholie

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