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Die perfekte U3

Ab 9. Dezember tritt der neue Fahrplan des HVV in Kraft. Die wichtigste Änderung ist freilich die neue U4. Bereits ab heute fährt sie im „Schnupperbetrieb“ und jeder kann bis zum Fahrplanwechsel vom Jungerfernstieg für lau in die HafenCity fahren. Sonst ändert sich im Fahrplan nicht viel. Das meiste sind Anpassungen, die durch die U4 bedingt sind. So fahren einige Busse künftig auf teilweise neuen Routen. Außerdem ändert sich ein wenig etwas auf der Elbe in Sachen Fähren. Die konkreten Neuerungen hat die Mopo zusammengefasst.

Leider gilt jedoch weiterhin: Was unterscheidet den Hamburger vom Berliner Nahverkehr – also außer, dass er fährt? Die Antwort lautet: Die Berliner haben eine echte Ringbahn. In Hamburg gibt es mit der U3 so etwas ähnliches. Allerdings fährt sie vom Wurmfortsatz, Wandsbek-Gartenstadt, über Barmbek im Kreis nach Barmbek, bzw. andersherum. Man kann also in Barmbek mitunter aus der U3 nach Barmbek, um weiter in die gleiche Richtung zu fahren, in die U3 Richtung Barmbek steigen oder zur Weiterfahrt nach Wandsbek-Gartenstadt in die U3 oder aber, um wieder zurückzufahren in die U3 Richtung Wandsbek-Gartenstadt. Nicht verstandnen? Meine Eltern und viele andere täglich in Barmbek auch nicht. Gut, zum Glück (oder zur weiteren Verwirrung?) stehen statt den Endhaltestellen häufig Schlump und Hauptbahnhof Süd auf Anzeige und Zug. Durchgesagt wird auch Kellinghusenstraße. Es bleibt jedoch dabei: Diese Ringbahn macht einen eher so verrückt wie es der Ring aus Herr der Ringe mit Gollum macht.

In meinen Augen sähe die perfekte U3-Ringbahn wie folgt aus: Sie fährt im Ring, von Barmbek nach Barmbek nach Barmbek nach Barmbek. So lange sich die Taktung nicht ändert, fährt der Zug einfach weiter. So ist es auch in Berlin. Dort endet bei geringerer Taktung mal ein Zug an einer Station oder wenn das Fahrzeug gewechselt werden muss, muss man ausnahmsweise mal das Gleis wechseln. Im Normalfall kann man aber, wenn man irgendeinen Sinn darin sieht, stundenlang im Kreis fahren. Im Uhrzeigersinn auf der Linie 41, gegen den Uhrzeigersinn auf der Linie 42.

Daran könnte man sich auch in Hamburg orientieren. Aus der U3 würden also zwei Linien, beziehungsweise drei. Aber zur dritten gleich. Zur Benennung schlage ich U3 für die Ringlinie im Uhrzeigersinn vor und U3a für die Ringlinie gegen den Uhrzeigersinn. Nun zur dritten Linie: Auf der Verbindung zwischen Barmbek und Wandsbek-Gartenstadt (auf die ich ungern verzichten möchte, immerhin wohne ich an der Haltestelle Habichtstraße) könnte man einen Pendelverkehr einrichten, immerhin dauert die Fahrt nur wenige Minuten. Da hier U3 und U1 verbunden werden, nennen wir diese Linie U13 oder U31.

Träumen wir weiter: Im Zuge der Umstellung könnte man direkt auch den Bahnsteig in Barmbek umbauen. Da man selten umsteigt, um in die Gegenrichtung zurückzufahren, können U3 und U3a an unterschiedlichen Bahnsteigen ankommen. Zwischen diesen Bahnsteigen liegt nur ein Gleis, auf dem die U13 ankommt und ihre Türen in beide Richtungen öffnet. Je nachdem, wo ich hin will, steige ich also links oder rechts aus. Treppen-Laufen müsste man dann nur noch zu den Bussen und zur S-Bahn. Auch das wäre ein Gewinn, denn derzeit üben sich täglich hunderte Fahrgäste im Treppenslalom und irgendwie schaffen es immer die langsamsten Treppengänger, als erste an den Stufen zu sein. Keine Ahnung wie sie das immer machen.

Die perfekte U3 wird aber fürs erste ein Traum bleiben. Auch beim Fahrplanwechsel ändert sich nichts an der U3, außer dass unabhängig davon künftig mehr und mehr DT5 auf dieser Strecke zum Einsatz kommen sollen. Warum die Ringbahn eine falsch Ringbahn ist, wurde Janka und mir bereits bei der 100-Jahres-Feier der Hochbahn erklärt: Man habe (anders als in Berlin), zu wenige Stationen, an denen man Züge aus dem Netz nehmen könnte, respektive in dieses Einspeisen. Das ist sowohl ein Problem, wenn man die Taktung ändern will, als auch, wenn es Verspätungen gibt. Diese könnte man bei einem richtigen Ringverkehr ohne ständige Unterbrechung und ohne ständigen Fahrzeugwechsel nach einer Runde in Barmbek beziehungsweise Wandsbek-Gartenstadt kaum ausgleichen. Schade, aber vielleicht tut sich bei nächsten Fahrplanwechsel ja etwas, wo man nun nicht mehr mit dem Neubau der U4 beschäftigt ist.

PS: Mit der U4 wird übrigens auch ein bisher heiliges Gesetz der Hochbahnlinien gebrochen: Nun fahren zwei verschiedene Linien auf einem längeren Stück parallel zu einander. Von Billstedt bis Jungerfenstieg fahren künftig U2 und U4 im Wechsel. Laut Hochbahn sei dies aber bislang auch der am stärksten belastete Abschnitt im U-Bahn-Netz.

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Andreas Grieß

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als freier Journalist zu arbeiten. Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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